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Herstellung von Kartoffel-Trockenprodukten ist auf wenige Unternehmen konzentriert

Agrarzeitung Ernährungsdienst 22. September 2004; Von Hermann Steffen, Agrarzeitung Ernährungsdienst

In den vergangenen Jahren hat die Verarbeitungsindustrie für Trockenprodukte mit ihren fünf Unternehmen und insgesamt sechs klassischen Werken bereits mehrere Umstrukturierungsprozesse erfahren. Obwohl der Absatz der Fertigprodukte stetig gestiegen ist, rechnet man künftig nicht mehr mit allzu großem Wachstumspotenzial.

Als die beiden Pfanni-Werke in Cloppenburg und Stavenhagen im Jahr 1993 von CPC Bestfoods Deutschland GmbH übernommen wurden, war dies nur der Beginn einer Reihe von Veränderungen. Bestfoods, das bereits in Wittingen Trockenprodukte herstellte, verkaufte im Jahr 2000 Wittingen und Cloppenburg an die Emsland Stärke und wurde noch im gleichen Jahr als Unilever Bestfoods Deutschland GmbH in den Unilever-Konzern integriert. Bis zum Jahr 2002 hielt Pfanni zwar noch einen Teil seiner Produktion in Cloppenburg aufrecht, lagerte aber dann die Herstellung der sterilisierten Kartoffelprodukte aus und konzentrierte die Trockenproduktion auf die Kartoffelfabrik Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern.

In Stavenhagen wurde unter der Regie von Unilever die Herstellung für fremde Handelsmarken zurückgefahren, sodass die Produktionsmenge des Werkes bei rund 140.000 t liegt. Dennoch blieb Pfanni Marktführer im Einzelhandel und ist nach eigenen Aussagen die Nummer eins in den Segmenten Knödel, Püree und Frischepacks. Beschäftigt werden etwa 300 Mitarbeiter.

Durch die Übernahme der Werke in Wittingen und Cloppenburg und den nachfolgenden Kapazitätsausbau wurde die Emsland Stärke mit ihrer Tochtergesellschaft Emsland Food GmbH und einer Gesamtverarbeitungsmenge von inzwischen rund 420.000 t zum größten weltweiten Verarbeiter im Trockensegment. Der führende Zulieferer an Caterer und die weiterverarbeitende Industrie beschäftigt in beiden Werken 176 Personen und hat in diesem Jahr in Cloppenburg die Produktionskapazitäten kräftig aufgestockt. Dort werden nun aus 240.000 t Rohware Flocken für Knödelmischungen und zur Weiterverarbeitung und für die Snackindustrie hergestellt. In Wittingen, das auf die Herstellung von Granulat spezialisiert ist, wurden im Vorjahr durch den Bau einer neuen Anlage die Kapazitäten auf etwa 185.000 t angehoben, da das Unternehmen auf den Märkten in Südostasien mit Stärkeprodukten als Brot- oder Nudelersatz stark vertreten ist.

Bemerkenswerte Zuwachsraten gibt es auch bei der Mecklenburger Kartoffelveredlung GmbH (MKV) in Hagenow, Mecklenburg-Vorpommern. Dort übernahmen 1991 fünf ehemalige Mitglieder der Geschäftsführung den einstigen DDR-Staatsbetrieb und steigerten die Jahresproduktion von seinerzeit 50.000 t auf 135.000 t im vergangenen Wirtschaftsjahr. Für die laufende Kampagne ist eine weitere Produktionssteigerung auf 145.000 t vorgesehen. Das Unternehmen mit seinen 240 Mitarbeitern vertreibt seine Produktpalette unter den Bezeichnungen Mecklenburger Küche und Kartoffelland. Neben einem hohen Marktanteil in den östlichen Bundesländern ist die MKV auch in den Regalen des Lebensmittelhandels im Westen gelistet. Etwa die Hälfte der Produktion wird allerdings für die industrielle Weiterverarbeitung oder als hochwertiges Speisepüree unter Handelsmarken vertrieben.

Rückzug der Konzerne

Aktuellstes Beispiel für die Umstrukturierungen ist der Verkauf des Nähr-Engel-Werkes in Goch. Der Nestlé-Konzern, der Nähr-Engel erst 1997 übernommen hatte, veräußert das Werk als ‚Management-Buy-Out’ in diesem Herbst an eine Gruppe ehemaliger Manager. Diese werden das Unternehmen als Nähr-Engel GmbH weiterführen, der Absatz über Nestlé bleibt weiterhin der Hauptvertriebsweg. Nestlé zieht sich mit diesem Schritt nicht nur in Deutschland aus der Kartoffelverarbeitung zurück, sondern trennt sich derzeit auch in den Niederlanden von dem seit vielen Jahren betriebenen Werk in Venray. Die Nestlé-Fabrik in Venray mit einer Verarbeitung von fast 200.000 t Kartoffeln zu Granulat und Flocken wird an Rixona BV verkauft, einer Tochter der Aviko BV in Steenderen. Die im nordholländischen Warffum ansässige Rixona betreibt seit vielen Jahren die größte Granulatproduktion Europas und wird mit einer Verarbeitungsmenge von insgesamt etwa 400.000 t Kartoffeln zum zweitgrößten Hersteller von Trockenprodukten.

„Die Verarbeitung von agrarischen Rohstoffen gehört nach eigenem Bekunden nicht zu den Kernkompetenzen von Nestlé. Der Rückzug aus der Kartoffelverarbeitung ist daher konsequent. Das gilt sicher auch für Unilever“, meint Dr. Stephan Trenckmann, der bei Nähr-Engel für den Agrarbereich zuständig ist, zu den jüngsten Entwicklungen. „Die Konzerne wollen weg vom landwirtschaftlichen Rohstoff und standardisierte, vorveredelte Produkte weiterveredeln. Das Handling mit agrarischen Rohprodukten verlangt ein sehr großes Maß an Flexibilität und Entscheidungsgeschwindigkeit. Diese Eigenschaften lassen sich im mittelständischen Bereich sicher leichter umsetzen.“

Nähr-Engel beschäftigt 210 Mitarbeiter und verarbeitet rund 100.000 t Kartoffeln. Beliefert werden in erster Linie die Segmente Großküche und industrielle Weiterverarbeiter. Beim Absatz an die Großküchen ist man nach eigener Einschätzung europäischer Marktführer. Produktionsschwerpunkt ist mit einem Anteil von 70 Prozent die Herstellung von Speisepürees, die unter dem Nestlé-Namen Pürell und Maggi sowie als Handelsmarken fertig verpackt und weltweit in den Catering-Bereich vertrieben werden. Der Rest entfällt auf Trockenkartoffeln für die interne Weiterverarbeitung zu Knödeln oder Suppeneinlagen.

Der Rohstoff Kartoffel wird von allen Herstellern überwiegend im Vertragsanbau bezogen, teilweise kommt aber auch absortierte Rohware aus der Pommes-frites- oder der Chips-Produktion zum Zuge. Die Ausbeute bei der Verarbeitung liegt nach Schälen und Trocknen zwischen 15 und 20 Prozent. Im Gegensatz zum Speisebereich umfasst die industrielle Weiterverarbeitung von Trockenprodukten eine ganze Reihe von Einsatzbereichen, die von Kroketten, Waffeln, Extrudersnacks, Paniermehlersatz bis hin zu Verdickungsmittel für Suppen und Soßen reichen. Klassische Weiterverarbeiter sind unter anderem die bekannten Tiefkühlkostunternehmen mit ihren klassischen Kartoffelprodukten oder die Snackindustrie mit Knabbereien wie Chipsletten, Pom-Bären oder den in Belgien hergestellten Pringles.

Drei verschiedene Produktbereiche

Wichtigster Bereich bei der Trockenproduktion ist die Herstellung von Kartoffelflocken, bei dem sich das Verfahren seit dem Ersten Weltkrieg kaum verändert hat. Nach dem Schälen und Kochen wird der Kartoffelbrei auf einer großen Trommel getrocknet und dann in kleine Flocken gebrochen. Größter Flockenproduzent ist die Emsland Stärke in Cloppenburg mit 240.000 t. Zweitgrößter Verarbeiter ist die MKV in Hagenow, die im laufenden Wirtschaftsjahr voraussichtlich 130.000 t Kartoffeln zu Flocken verarbeiten wird. Mit einem Bedarf von 100±000 t komplettiert Pfanni in Stavenhagen die großen drei. Kleinere Produzenten sind die Stöver-Gruppe, Aldrup, bei der rund 31.000 t Rohware als Nebenprodukt der Pommes-frites-Herstellung für die industrielle Weiterverarbeitung und die Snackherstellung anfallen, sowie Nähr-Engel in Goch, wo 8.000 t für den Eigenbedarf verarbeitet werden. Der Gesamtverbrauch in Deutschland hierfür dürfte bei rund 510.000 t Kartoffeln liegen.

Die Herstellung von Püreegranulat, bei der die Kartoffeln zu Pulver verarbeitet werden, ist die aufwendigste und technologisch jüngste Form der Verarbeitung. Auch bei Granulaten ist Emsland Stärke mit dem Werk in Wittingen Marktführer mit 185.000 t für die Produktion zur industriellen Weiterverarbeitung und zur Snackherstellung. Zweitgrößter Hersteller ist Nähr-Engel mit etwa 70.000 t für Speisepüree. Doch während in Deutschland nur diese beiden Hersteller ansässig sind, befinden sich in den Niederlanden mit über 300.000 t größere Produktionskapazitäten.

Den dritten Produktionsbereich bilden die Trockenkartoffelschnitte für Suppen, Knödel oder die industrielle Weiterverarbeitung, für den in Deutschland rund 100.000 t Kartoffeln benötigt werden. Ein Großteil der Fertigprodukte wird in gemahlenem Zustand als Kartoffelgrieß den Knödelmischungen beigegeben, andere Verwendungen reichen von Suppeneinlagen bis hin zu Bratkartoffeln. Der Name Schnitte rührt von den unterschiedlichsten Schnittformen her, die von Streichholzform über Fritten bis zu Scheiben, Würfel, Streifen oder diverse Plättchen reichen. Deutscher Marktführer in diesem Segment ist mit etwa 40.000 t Verarbeitung Pfanni in Stavenhagen. Die beiden nächstkleineren Hersteller sind Nähr-Engel in Goch mit 25.000 t und die Brückner-Werke KG, Hamburg, die im Werk Nortorf in Schleswig-Holstein 20.000 t verarbeiten. Das Familienunternehmen Brückner ist überwiegend im Catering-Bereich tätig, beschickt aber auch die Handelsmarken der großen Discounter. Weitere 15.000 t Rohware werden noch von der MKV Hagenow verarbeitet.

Wachsende Nachfrage in Asien

In der Summe dürfte sich danach in Deutschland eine Verarbeitungsmenge für die Trockenproduktion auf etwa 850.000 bis 875.000 t Kartoffeln ergeben, bei allerdings jährlichen Schwankungen. So stieg in den Jahren 2001 und 2002 die Nachfrage nach verarbeiteten Trockenprodukten aus Europa in Japan und im asiatischen Raum deutlich an, da dort Produkte aus den USA wegen der Verwendung von gentechnisch veränderten Kartoffeln weniger gefragt waren. Doch zwischen den ermittelten und von den Herstellern bestätigten Produktionszahlen und der amtlichen Statistik gibt es erhebliche Differenzen, die sich nicht auflösen lassen. So weist die Statistik für 2003 und Deutschland die Herstellung von 217.600 t fertigen Trockenprodukten oder umgerechnet 1,48 Mio. Kartoffeln auf. Erklärungsversuche reichen von Fehlern in der Statistik bis Nicht– berücksichtigung von Exporten. Weitere Kapazitäten von rund 1 Mio. t sind in Frankreich, Belgien und in den Niederlanden abgesiedelt, davon allein etwa 700.000 t für Flocken. Ein Teil der Rohware stammt dabei allerdings aus der Verarbeitung von abgeschnittenen Stückchen aus der Pommes-frites-Produktion.

In den vergangenen Jahren ist der Pro-Kopf-Verbrauch für fertige Trockenprodukte stetig größer geworden und stieg seit 1997 von 1,26 kg auf 1,83 kg oder umgerechnet 12,4 kg Frischware im Jahr 2002 an. Der stärkste Wachstumsimpuls kam aus der Tiefkühlkost, bei dem die neuen technischen Möglichkeiten wie Reibekuchen, Knödel oder Kroketten ein festes Absatzpotenzial für die Flocken geschaffen haben. Doch trotz aller Innovationen bleiben die klassischen Püree- oder Knödelmischungen die wichtigsten Umsatzträger. Da sich bei den Großküchen kaum noch nennenswerte Verbrauchssteigerungen abzeichnen, erwarten Branchenkenner nur noch verhaltene Zuwachsraten beim Verbrauch. Kleinere Wachstumschancen zeichneten sich am ehesten bei der industriellen Weiterverarbeitung oder bei den Discountern ab, so die Zukunftsperspektiven.
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