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So spielt die Rohstoffgewinnung in der kasachischen Wirtschaft die Hauptrolle. Zentral ist dabei der Abbau von Metallen wie Chrom, Vanadium, Wismut oder selteneren Metallen wie Wolfram, Molybdän und Uran. Eine Schlüsselstellung kommt auch der Öl- und Gasförderung zu. Aufgrund der weiten Flächen könnte auch die Landwirtschaft eine größere Bedeutung als bisher erlangen. Viele Flächenreserven sind jedoch noch ungenutzt. Wegen des kontinentalen Klimas mit starken Temperaturunterschieden im Jahresverlauf kommt es zu erheblichen Schwankungen in der Produktionsmenge an Getreide und anderen Agrargütern. Hinzu kommen die insgesamt sehr niedrigen Niederschläge. In puncto Landtechnik und Infrastruktur hat das Land außerdem deutlichen Nachholbedarf. Die Regierung versucht mit Subventionsprogrammen die Landwirtschaft weiter nach vorne zu bringen.

Gemessen an seiner Landesfläche ist Kasachstan der neuntgrößte Staat der Erde. Doch nur gut 10 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind für den Ackerbau geeignet. Das Klima und auch die Wasserverfügbarkeit stellen hohe Ansprüche an das pflanzenbauliche Know-how der Landwirte. Temperaturen von minus 40°C im Winter und bis zu 30°C im Sommer sind die Spannbreite. Die wichtigste Kultur ist Weizen, der überwiegend im Norden des Landes angebaut wird und auch ein bedeutendes Exportgut Kasachstans in die Nachbarländer darstellt.

Der Exportanteil hängt jedoch stark von den Erntemengen ab, die von Jahr zu Jahr deutlich schwanken können. Da Kasachstan keinen Zugang zu internationalen Gewässern hat, werden Ausfuhren über russische oder zwei lettische Häfen abgewickelt. Ohnehin fließt ein Großteil der Ausfuhren in andere GUS-Staaten, da Kasachstan seit 2015 gemeinsam mit Russland und Weißrussland die Eurasische Wirtschaftsunion bildet. Schwierigkeiten bereiten der Getreidewirtschaft zudem die veraltete und unzureichende Infrastruktur, um die Logistik zu bewältigen. So fehlen vielerorts Lagermöglichkeiten und Eisenbahnwaggons ebenso wie moderne Erntetechnik.

In der Tierproduktion dominieren die Rinder-, Schaf- und Geflügelhaltung. Die Schweinehaltung spielt eine untergeordnete Rolle, zumal die kasachische Bevölkerungsmehrheit Muslime sind.

Moderne Lagerkapazitäten für Getreide fehlen. Viele Silos stammen noch aus Sowjetzeiten.
-- , Foto: Martin_Petrick/IAMO
Moderne Lagerkapazitäten für Getreide fehlen. Viele Silos stammen noch aus Sowjetzeiten.
Die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche gehört dem Staat, der sie über langjährige Pachtverträge an Landwirte und Unternehmen zur Bewirtschaftung vergibt. Ähnlich wie die kollektiven Betriebe zur Sowjetzeit sind viele Agrarunternehmen auf eine Produktion im großen Maßstab ausgerichtet. Diese etwa 5000 Großbetriebe bestreiten gut 65 Prozent der Getreideproduktion und bewirtschaften durchschnittlich 3000 ha. Die übrige Getreideerzeugung entfällt auf knapp 200000 bäuerliche Betriebe. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Subsistenzwirtschaften, deren Zahl auf mehrere Millionen geschätzt wird.

Zudem verfügt das Land über noch ungenutzte Flächenreserven. Davon dürften etwa 2 Mio. ha für den Ackerbau geeignet sein. Seit der Unabhängigkeit wurden Brachflächen schrittweise wieder in die Produktion genommen. Das Potenzial ist aber noch längst nicht ausgeschöpft. Um die Produktivität und insbesondere die Hektarerträge zu steigern, hat die kasachische Regierung in den vergangenen Jahren die Agrarbetriebe mit Subventionen für Dünger, Pflanzenschutzmittel und Saatgut unterstützt. Durch weitere Investitionen in Infrastruktur, Produktivität und Landtechnik könnte das Land an Bedeutung im internationalen Agrarhandel gewinnen, sofern aufgrund der Ölpreiskrise diese Investitionen nicht auf der Strecke bleiben. (AW)

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar
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