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Dietrich Holler zu Nordzucker und Danisco

Ein Deal, zwei Männer und viele zufriedene Gesichter: Mit dem Verkauf seiner Zuckersparte hat Danisco ein Problem weniger und Nordzucker eine Chance mehr.

Tom Knutzen, CEO der Danisco A/S, und Nordzucker-Vorstandschef Hans-Gerd Birlenberg können ihren jeweiligen Aktionären etwas vorweisen. Danisco konzentriert sich auf das wachsende Geschäft mit Lebensmittelenzymen und Zusatzstoffen. Vor der Reform der EU-Zuckermarktordnung (ZMO) hat Zucker rund die Hälfte zu Daniscos Gesamtumsatz beigetragen. Im Geschäftsjahr 2007/08 war es nur noch ein Drittel der Erlöse von insgesamt etwa 2,5 Mrd. €.

Für Nordzucker wäre es eng geworden, wenn die französische Tereos-Gruppe, ursprünglich mit im Rennen um die Übernahme, die Zuckerproduktion der Dänen gekauft hätte: Nach erfolglosen Versuchen, sich in Südamerika zu beteiligen, muss Nordzucker jede Gelegenheit zum Wachstum nutzen. Das ist jetzt geschehen und Birlenberg verbucht nebenbei einen persönlichen Gewinn. Die landwirtschaftlichen Nordzucker-Aktionäre haben den lupenreinen Finanzmanager bislang sehr kritisch beäugt. Seit dieser Woche geht der Vorstandschef als jemand durch, der Vision mit realem Geschäft zu verbinden weiß. Das kommt an. Allerdings bleibt ein Rest an Misstrauen. Welche Rolle spielt künftig die Raffination von importiertem Rohrrohzucker, fragen sich die Rübenbauern zwischen Südniedersachsen und Vorpommern. Vor allem ED&F Man, neben Cristal Union und Nordzucker ein Partner der Eurosugar S.A.S, Paris, kann jederzeit für Nachschub sorgen.

Der Abfüllhahn der Nordzucker-Ethanolanlage in Klein-Wanzleben tröpfelt momentan vor sich hin. Billiger Rohstoff könnte den Druck erhöhen. Eventuell ist es einfacher, Rohrrohzucker zu importieren und Rübendicksaft an andere Ethanolhersteller zu verkaufen. Sicher ist: Selbst wenn Danisco und Nordzucker künftig gemeinsam Biosprit produzieren, bleibt das Ganze vorerst eher visionär als profitabel. Geradezu bescheiden fallen die von Birlenberg angeführten Synergieeffekte, sprich Einsparmöglichkeiten, aus: Rund 20 Mio. € sollen es bis 2010 sein. Da dürfte es doch etwas mehr werden. Er wolle "keine winning teams wechseln", versichert Birlenberg. Skandinavische Gewerkschaften, das weiß der Vorstand der Nordzucker AG, können bockig sein.

Falls die Kartellbehörden ihr Plazet geben und unter anderem der Danisco-Standort Anklam demnächst zu Nordzucker gehört, hat der Braunschweiger Konzern einen außergewöhnlichen Manager im Boot: Matthias Sauer, offiziell Prokurist und Leiter Landwirtschaft in Anklam, zählt zu den wenigen innerhalb der europäischen Zuckerbranche, die vom Rübenacker über die Produktion bis zur Vermarktung aus eigener Erfahrung durchblicken. Nordzucker sollte auf ihn bauen. Für die Rübenerzeuger hat Sauer ohnehin seinen Ruf weg: ein Mann, ein Werk und viele Ideen.

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