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Wissenschaftler betonen Wohlbefinden und Gesundheit von Tieren – Vorbild Niederlande

Agrarzeitung Ernährungsdienst 27. März 2009; Von Brigitte Stein, Frankfurt a. M.

Tiergesundheit, Tier- und Umweltschutz sowie wirtschaftliche Anforderungen lassen sich in einer Milchviehhaltung der Zukunft gut kombinieren. Weidehaltung mit mehreren Aufenthaltsräumen für die Tiere bilden die Basis.

Wissenschaftler der niederländischen Universität Wageningen sind überzeugt, dass sich in der Milchproduktion das Wohlbefinden der Tiere und die Betriebsökonomie in Einklang bringen lassen. Sie haben vier beispielhafte Haltungsvarianten entworfen für Betriebsgrößen zwischen 50 und 200 Tieren sowie für unterschiedliche Standorte. Mit den neuen Haltungssystemen werden zwischen 50 und 75 Prozent weniger Ammoniak ausgestoßen. Hinzu komme eine Ersparnis von 90 Prozent an Phosphatdünger.

Nachhaltigkeit zählt

Bis zum Jahr 2011 könnten zehn vorbildliche Beispielbetriebe in den Niederlanden verwirklicht werden, meinen die Wissenschaftler. Bei der Entwicklung ihrer Vorbildbetriebe sind die Tierhaltungsexperten zunächst von den Bedürfnissen und Gewohnheiten der Milchkühe ausgegangen.

Darum bieten sie den Tieren jeweils vier Aufenthaltsbereiche an: neben der Weide einen Grünauslauf, einen geschützten Aufenthaltsraum und eine Liegefläche. Außer der Weidefläche verfügen die anderen Flächen über eine Drainage oder Spaltenböden, damit die Ausscheidungen aufgefangen und als Dünger gezielt eingesetzt werden können. Nach den Beobachtungen der Forscher werden die Milchkühe die unterschiedlichen Zonen auch entsprechend nutzen und nur 5 Prozent ihrer Ausscheidungen auf der Weide hinterlassen. Damit werden 50 Prozent im geschützten Aufenthaltsraum anfallen, 20 Prozent im Freiluftauslauf und 25 Prozent in der dazwischenliegenden Sandzone.

Nährstoffe geschickt nutzen

Durch die Drainage sollen einerseits die Pflanzennährstoffe aus den Ausscheidungen gewonnen werden. Zum anderen wird damit eine Trennung von Urin und Fäkalien angestrebt. Denn das Treibhausgas Ammoniak entstehe erst, wenn diese beiden Fraktionen in der Gülle zusammenkämen, argumentieren die Wageninger Experten. Auch für die Verwertung der Fäkalien in der Biogasanlage sei die Trennung vorteilhaft. So ließe sich der Einsatz von Kofermenten auf ein Minimum reduzieren und die Gasausbeute sei somit effizienter.

Mit den vielen Auslaufzonen, die den Tieren zur Verfügung stehen, entstünden auch innerhalb der Herden weniger Konflikte und selbst rangniedere Tiere könnten ihr Leistungsoptimum erreichen. Zudem seien die Kühe weniger krank und es sei mit mehr Laktationsphasen je Tier zu rechnen. Somit reduzierten sich die Aufzuchtkosten. Für größere Betriebe oder auch Betriebsgemeinschaften schlagen die Experten vor, dass mehrere Herden sich die zentrale Melkanlage teilen. Zudem gebe es zusätzliche Einnahmequellen, wenn die geschützten Unterstände mit Ost-West-Ausrichtung geplant und auf der Südseite der Dächer Photo8vol8taik8an8lagen installiert würden.
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