Vogler Fleisch und MV Fleisch hatten im vergangenen November das Schutzschirmverfahren zur Sanierung der Unternehmensgruppe beantragt. Mit Dr. Christoph Morgen von der Hamburger Sozietät Brinkmann & Partner fand sich ein Experte, der nach Eröffnung der Insolvenzverfahren nach Interessenten suchte – bis vergangene Woche. Kurzfristig sprangen zwei verbliebene potenzielle Investoren für ein Engagement am Stammsitz in Steine ab. Eine geringe Hoffnung auf eine Wiederaufnehme des Betriebes besteht noch. Mit einem möglichen ausländischen Interessenten würden weiter Gespräche geführt, berichtet die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) und beruft sich dabei auf Unternehmenskreise.

Standort in Bremen schon geschlossen

Für den Schlachthof von MV Fleisch in Bremen zeichnete sich ebenfalls keine Perspektive ab. Morgen zog die Reißleine. So wurde der Standort in der Hansestadt, an dem die Grobzerlegung durchgeführt wurde, bereits zum 29. Januar geschlossen.

Harter Schnitt unvermeidbar

Im Gespräch mit fleischwirtschaft.de zeigte sich der Insolvenzrechtler enttäuscht, weil die Belegschaft hervorragend an einer neuen tragfähigen Lösung für die Unternehmen mitgearbeitet habe. Der harte Schnitt in Bremen und Luckau-Steine müsse aber sein, um nicht weitere Werte zu vernichten. Am Mittwoch wurde die geordnete Schließung vollzogen, damit die Lieferanten noch bezahlt werden können.

Für Betrieb in Laatzen Investor in Sicht

„Dagegen läuft der Standort Laatzen stabil“, berichtete der Verwalter und kündigte an, dass eine Übertragung an einen Investor für den 1. März angestrebt werde. An wen, verriet der Jurist nicht. MV Fleisch hatte sich nahe der niedersächsischen Landeshauptstadt auf die Schlachtung von Schweinen spezialisiert, die zu Hälften verarbeitet werden. In Volllast können dort 2.500 Tiere pro Tag geschlachtet und zerlegt werden.

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Für die Beschäftigten in Steine ist das Ende bitter. Alle 100 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit, und das im strukturschwachen Wendland. Die Lebensmittelüberwachung des Landkreises Lüchow-Dannenberg hatte 25 Veterinäre bei Vogler im Einsatz. Im Jahr 2015 hatte die Unternehmensgruppe noch insgesamt rund 2,3 Mio. Schweine an die Haken gebracht und damit in Deutschland Platz fünf belegt. (az)
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