--

Wirtschaftlich muss Spaniens Regierung jedoch schwierige Zeiten meistern. Von den Auswirkungen der Finanzkrise im Jahr 2008 und der anschließenden Rezession hat sich Spanien bis heute nicht erholt. Die Arbeitslosenquote ist mit 22 Prozent nach Griechenland die zweithöchste in Europa. Darüber hinaus macht auch der Klimawandel der spanischen Agrarwirtschaft zu schaffen. Schwere Dürren plagen die Landwirte, führen zu Waldbränden und hohen Ertragsausfällen. Ferner hat Spanien wie viele Mittelmeerländer auch ein Problem mit der Bodenerosion.


Spanien ist flächenmäßig das drittgrößte Land der EU und zeichnet sich vor allem durch seine Vielfalt aus: Künstler wie Picasso, El Greco und Dali sind ebenso weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wie die kulinarischen Spezialitäten des Landes. Dazu zählen neben Oliven, Wein, Obst und Gemüse auch die berühmten Schweineschinken, die je nach Schweinerasse als Serrano-Schinken oder Pata Negra bezeichnet werden. Rund 650000 Schinken jährlich werden im Wert von 5,5 Mrd. € erzeugt. Mehr als ein Viertel davon nimmt Deutschland ab, die Franzosen weitere 30 Prozent. Die luftgetrocknete Spezialität ist auch in Übersee ein Exportschlager. So werden zwischen 3 und 7 Prozent in die USA, nach Mexiko oder Australien geliefert.

Spanien ist nach Deutschland innerhalb der EU der zweitgrößte Produzent von Schweinefleisch. Die Tierhaltung ist modern und groß strukturiert: 90 Prozent der Schweinehalter haben mehr als 400 Tiere. Die Erzeugung hat sich in den vergangenen 25 Jahren verdoppelt. Darüber hinaus spielt auch die Rindfleisch- und vor allem die Geflügelfleischproduktion eine Rolle. Während Schweine- und Rindfleisch überwiegend innerhalb der EU – insbesondere nach Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal – abgesetzt wird, ist spanisches Geflügelfleisch auch in außereuropäischen Ländern gefragt.

Luftgetrocknet und lecker: Spanischer Serrano-Schinken ist in Deutschland und auch in Frankreich sehr beliebt.
-- , Foto: Sieler
Luftgetrocknet und lecker: Spanischer Serrano-Schinken ist in Deutschland und auch in Frankreich sehr beliebt.
Ebenso gesteigert wurde in den vergangenen Jahren die Milcherzeugung. Dabei werden 20 Prozent der Milchproduktion von rund 8 Mio. t von kleinen Familienbetrieben erzeugt, der Rest der Milchmenge von großen industrialisierten Betrieben. Auf dem europäischen Markt spielt Spanien in der Milchproduktion jedoch nur einen untergeordnete Rolle.

Trotz zahlreicher Bergregionen und Problemen mit Trockenheit kann gut die Hälfte der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt werden. Mit rund 24 Mio. ha besitzt Spanien nach Frankreich im EU-Vergleich die zweitgrößte landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Agrarstruktur weist große Unterschiede auf. Rund 965000 Agrarbetriebe gibt es in Spanien. Aber nur 5 Prozent der Betriebe bewirtschaften 100 ha oder mehr. Diese Betriebe bestreiten aber einen Anteil an der Nutzfläche von 55 Prozent. Die weitaus meisten Betriebe verfügen über weniger als 5 ha. Auch gibt es ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle. Während im Norden kleine Betriebe vorherrschen, gibt es Richtung Mittel- und Südspanien vorwiegend Großbetriebe. Die Wasserversorgung ist der limitierende Faktor für die Agrarproduktion. Nur rund 13 Prozent der Nutzfläche können überhaupt bewässert werden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Anbauflächen für Getreide in den vergangenen Jahren kaum verändert haben.

Ein deutliches Wachstum hingegen verzeichnet der ökologische Landbau. Auf rund 1,6 Mio. ha wird Öko-Anbau betrieben, insbesondere im Süden des Landes in Andalusien. Damit nimmt der Öko-Anbau rund 6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein, deutlich mehr als in jedem anderen EU-Land.

Darüber hinaus ist Spanien weltweit der größte Oliven- sowie Olivenölproduzent und stellt im Durchschnitt etwa 40 Prozent der Weltolivenölproduktion. Exportiert wird spanisches Olivenöl hauptsächlich in EU-Partnerstaaten. Auch spanische Weine sind beliebt. Das Land besitzt mit knapp 1 Mio. ha zwar die größte Rebanbaufläche der Welt, wird mengenmäßig jedoch von Frankreich und Italien überholt. (AW)


Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar

Sie hätten gerne einen gesamten Überblick über alle Länder unserer Serie?
KS Agrar gibt ein Buch zur Serie heraus unter dem Titel "Landwirtschaft in aller Welt" mit vielen Zusatzinformationen und Fakten zu allen Ländern und den Entwicklungen in der Landwirtschaft. Das Buch erscheint zu den DLG-Feldtagen im Verlag Agrimedia/Ehrling. Preis: 29,90 EUR; ISBN: 978-3-86263-122-3.
stats