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Europas gemeinsame Agrarpolitik (GAP) könnte nach Ansicht des französischen Agrarministers Michel Barnier ein Vorbild für Afrika und Lateinamerika sein. In einem Interview mit der britischen Zeitung Financial Times sagte er kürzlich: "Afrika und Lateinamerika sollten ihre eigene Version von Europas gemeinsamen Agrarpolitik übernehmen, um besser auf den wachsenden Bedarf von Nahrungsmitteln reagieren zu können". Außerdem verteidigte er in dem Gespräch das europäische System der Agrarsubventionen. "Wir erleben jetzt die Konsequenzen von zu viel freiem Markt und Liberalismus. Wir können die Ernährung der Menschen nicht dem Markt überlassen und brauchen eine Politik, die eingreift und stabilisiert", sagte er. Barnier stellte die GAP als Modell für eine Selbstversorungsgesellschaft dar.

Der Artikel hat bis heute eine lebhafte Debatte in der Financial Times ausgelöst. Zahlreiche Leserbriefe, insbesondere aus dem liberal eingestellten Großbritannien, das die Direktzahlungen lieber heute als morgen abgeschafft sähe, kritisierten Barnier. Auch ein Sprecher von EU-Kommissarin Mariann Fischer-Boel meldete sich zu Wort: "Autarkie ist nicht die Zukunft. Wir streben keinen geschlossenen Markt an," reagierte er auf das Interview.

Vor dem Hintergrund der Übernahme der europäischen Ratspräsidentschaft durch die französische Regierung am 1. Juli 2008 finden die Aussagen Barniers viel Aufmerksamkeit. Denn Frankreich möchte den Health-Check unter seiner Präsidentschaft verabschieden und als Leitfigur für die Agrarpolitik nach 2013 auftreten. Als EU-Ratspräsident möchte Nicolas Sarkozy die Ziele für die GAP nach 2013 bereits im Herbst festzurren. (sta)

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