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Fusarium muss im System bekämpft werden – Pflug kein Allheilmittel

Agrarzeitung Ernährungsdienst 30. Juli 2005; Von Marco Schneider und Prof. Norbert Lütke Entrup, FH Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft Soest

Bei der Vermarktung von Weizen rückt ein neues Qualitätskriterium in den Mittelpunkt – die Belastung mit Fusariumtoxinen. Diese Krankheit muss im System bekämpft werden. Das Zusammenspiel von Bearbeitung, rottefördernden Maßnahmen, gezieltem Fungizideinsatz und Sortenwahl reduziert das Risiko. Allerdings führt diese Absicherung zu höheren Produktionskosten.

Die jetzt von der EU festgesetzten Grenzwerte für die Fusariumtoxine Deoxynivalenol (DON) und Zearalenon (ZON) in Getreideerzeugnissen und diätische Lebensmitteln verursachen in Befallsjahren erhebliche Probleme. Die Verantwortung liegt gleichermaßen bei Landwirten und Verarbeitern, denn in der EU-Verordnung heißt es, dass die Höchstmengen „vom Erzeuger bei der Anwendung der Guten Landwirtschaftlichen Praxis und bei dem Verarbeiter im Zuge der Herstellungspraxis eingehalten werden können.“

Vielfalt der Arten

Ein besonderes Problem für den Erzeuger stellt die Vielfalt der einzelnen Fusariumarten und deren Infektionswege dar. Besonders anfällig sind die Getreidearten Weizen und Triticale. Fusarium culmorum und Fusarium graminearum sind die wichtigsten Arten, die für die Bildung der genannten Toxine verantwortlich sind. Microdochium nivale befällt auch die Ähre des Weizens, zeigt ähnliche Symptome wie die echten Fusariumpilze, verursacht aber keine Mykotoxinbildung. Kritische Situationen, die zu Infektionen führen, können wie folgt definiert werden:

- Wichtigste Voraussetzung für die Kontamination des Ernteguts mit Toxinen ist die Witterung zur Blüte des Getreides. Temperaturen von 15 bis 25 °C und anhaltend feuchte Getreidebestände (24 bis 40 Stunden) sind ideale Voraussetzungen für Ähreninfektionen. Insbesondere die durch Wind verbreiteten Ascosporen können bei solcher Witterung einen großräumigen Befall fördern.

- Ein epidemisches Auftreten ist dann zu erwarten, wenn neben den skizzierten Witterungsverhältnissen anfällige Sorten angebaut werden und zum Zeitpunkt der Blüte Ernterückstände von Wirtspflanzen auf der Bodenoberfläche zu finden sind. Unter solchen Bedingungen verstärken Konidiosporen von der Bodenoberfläche die Infektionen.

- Zu den Wirtspflanzen der Fusarien zählen neben Mais alle Getreidearten und viele Gräser. Der in der Praxis anzutreffende Stoppelweizen- und Mais-Weizenanbau ist dementsprechend höher gefährdet. Blattfrüchte wie Raps, Zuckerrüben oder Leguminosen unterbrechen den Infektionszyklus der Fusarien.

Bündel von Maßnahmen

Sind kritische Anbausituationen unumgänglich, tragen mehrere Maßnahmen gebündelt zur Risikominimierung bei. Bodenbearbeitung, Sortenwahl, Pflanzenschutz, Reinigung und Lagerung müssen in ungünstigen Fruchtfolgen optimiert werden.

- Der richtigen Strategie der Bodenbearbeitung kommt eine zentrale Bedeutung zu. Die verschiedenen Arbeitsgänge müssen so abgestimmt sein, dass die infizierten Pflanzenreste der Vorfrucht bis zur Weizenblüte weitgehend abgebaut sind. Durch die konventionelle Bodenbearbeitung mit dem Pflug werden die infizierten Ernterückstände zum großen Teil in den Boden eingearbeitet. Das Inokulum ist zunächst deutlich reduziert. Bei den teils feuchten Bodenverhältnissen im Herbst werden aber auch Strohreste im Boden konserviert. Im nächsten Jahr gelangen die Ernterückstände mit der Bearbeitung wieder an die Bodenoberfläche und können dann Infektionen hervorrufen.

Außerdem verursacht der Pflug hohe Maschinen- und Arbeitskosten. Im Zusammenspiel mit erhöhtem Pflanzenschutz- und Düngemittelaufwand und meist geringeren Erträgen ist Stoppelweizen auf einem schlechteren Standort 2,20 €/dt und auf einem besseren Standort 1,00 €/dt teurer zu produzieren als Blattfruchtweizen, der in Mulch- oder Direktsaat bestellt wurde. Das belegen Systemversuche des Fachbereichs Agrarwirtschaft Soest.

- Auf Grund nicht immer positiver Erfahrungen vieler Praktiker wird die konservierende Bodenbearbeitung bei kritischen Anbaukonstellationen kontrovers diskutiert. Dennoch ist es möglich, durch gezielte rottefördernde Maßnahmen in aktiven Böden das Infektionspotenzial deutlich zu senken. Beim pfluglosen Anbau von Weizen nach Mais sind einige Feinheiten zu berücksichtigen. Das Maisstroh muss nachzerkleinert werden, um möglichst kleine, gesplissene Strohpartikel zu erhalten und die Trennung von Stoppel und Wurzelballen zu erreichen. Durch eine intensive Einmischung der Ernterückstände in den Boden bestenfalls mit einer Scheibenegge oder einem Grubber mit speziellen Wendelscharen besiedeln die Mikroorganismen die Ernterückstände schnell. Im Zusammenspiel mit einer Strohausgleichsdüngung (etwa 30 bis 40 kg N/ha) ergeben sich gute Voraussetzungen für die Rotte. Mit dieser Bearbeitungsstrategie kann der Infektionsdruck mit Fusarium fast auf das Niveau des Pfluges gedrückt werden. Das zeigen Versuchsergebnisse. In den Varianten Mulchsaat mit Nachzerkleinerung in Kombination mit einer gezielten Pflanzenschutzmaßnahme zur Blüte lag der Fusariumbefall in Prozent gleichauf mit der Pflugvariante. Beim Anbau von Stoppelweizen ohne Pflug ist nach eigenen Erfahrungen eine ähnliche Vorgehensweise sinnvoll.

- Ein weiterer wichtiger Baustein im System ist die gezielte Sortenwahl. In kritischen Anbaufolgen sollten nur Sorten zum Anbau kommen, die in der Liste des Bundessortenamtes in der Fusariumanfälligkeit mit höchstens.4 eingestuft sind. Der Züchtungsfortschritt in diesem Merkmal wird bei den neueren Sorten deutlich. Viele Neuzulassungen erfüllen dieses Kriterium auch in Verbindung mit einem ansprechenden Ertragsniveau. Fusariumresistente Sorten sind allerdings in naher Zukunft noch nicht in Aussicht. Sorten, die in der Anfälligkeit mit 2 oder 3 eingestuft sind, bieten aber einen guten Schutz auch in der kritischen Konstellation Weizen pfluglos nach Mais.

Die Sortenauswahl in der Übersicht führt in den verschiedenen Qualitätsklassen die Fusariumanfälligkeit in Verbindung mit dem Ertrag als wichtigstes Leistungsmerkmal auf. Im Qualitätsweizenbereich ist die Sortenwahl kaum eingeschränkt. Im Back- und Futterweizensektor sollten keine kurzstrohigen Hochertragssorten in Befallslagen zur Aussaat kommen. Gesündere Sorten mit ähnlichem Ertragsniveau verringern das Risiko deutlich.

- Der Einsatz eines Azolfungizids zum Zeitpunkt der Weizenblüte kann den Befall nach Versuchsergebnissen um bis zu 80 Prozent senken. Die Azolpräparate Input, Caramba, Folicur oder Pronto zeigen die beste Wirkung. In der Praxis ist aber die exakte Terminierung der Fusariumbehandlung schwierig, da die Weizenblüte oft verzögert über ein bis zwei Wochen abläuft. Unter Feldbedingungen ist ein hoher Wirkungsgrad zu erzielen (maximal 60 Prozent), wenn es gelingt, die Infektion auf dem Fruchtstandsgewebe zu verhindern.

Am effektivsten erscheint eine Azolapplikation, wenn die ersten Staubbeutel an der Ähre sichtbar sind. Eventuell sind erst Regenschauer abzuwarten und dann innerhalb von 24 Stunden nach dem Regen müsste die Behandlung durchgeführt werden. Der Einsatz von Wachstumsregulatoren und Strobilurinen ist auf ein Mindestmaß zu beschränken. Bei intensiver Einkürzung der Halme ist der Weg der Sporen von der Bodenoberfläche bis zur Ähre deutlich geringer und somit auch leichter zu bewältigen. Spät eingesetzte Strobilurine führen zur deutlichen Abreifeverzögerung der Bestände. Dadurch sind noch Spätinfektionen sowie in Verbindung mit zu hoher N-Versorgung schlimmstenfalls Lager zu befürchten.

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