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Bernd Springer zur Milchquotenbörse

Wenn die Nachfrage nach einem Produkt das Angebot überschreitet, steigt in der Regel der Preis. Dies war beim jüngsten Börsentermin für den Milchquotenhandel nicht so. Zwar wollten erweiterungswillige Milchproduzenten mehr Lieferrechte erwerben, als von den abgebenden Betrieben angeboten wurden, doch nicht um jeden Preis. Die verbesserte Liquidität der Betriebe – nicht zuletzt durch die in den vergangenen Monaten besseren Auszahlungspreise für Milch und andere Agrarprodukte – konnte das Gros der Bieter nicht dazu verführen, mit überhöhten Angeboten an die Börse zu gehen und Milchquote an sich zu ziehen.

Vernunft und kaufmännischer Sachverstand haben doch viele dazu veranlasst, eine vernünftige Abschreibungskalkulation mit Blick auf die zum 31. März 2013 vollkommen entwertete Quote vorzunehmen. Zumal darüber hinaus eine durchschnittliche 2-prozentige Erhöhung der Lieferrechte von der EU frei Haus geliefert wurde, sofern im Februar die einzelbetriebliche Beantragung der Quotenaufstockung nicht versäumt wurde. Und auch die verbesserte Einkommenssituation ist eine Kuh, die sich nicht beliebig oft melken lässt. Stehen doch viele Betriebe vor einer Erhöhung des Pachtzinses und vor dem Abbau eines mehrjährigen Investitionsstaus hinsichtlich Maschinenpark und Stallungen. Die ebenso angezogenen Betriebsmittelpreise erfordern ohnehin einen vorsichtigen Umgang mit dem Erlöszuwachs.

Das analytische Interesse an den künftigen Börsenterminen dürfte sich auf die regionale Zu- und Abwanderung der Milchquoten verlagern. Wird es bei der bisherigen Pendelbewegung zwischen Nord- und Süddeutschland bleiben, oder setzt sich ein eindeutiger Trend durch? Zu erwarten ist, dass die Quote an die Grünlandstandorte wandert, bieten sich doch an den Ackerbaustandorten bei mittelfristig absehbar hohen Preisen für Agrarprodukte genügend Alternativen. Essenziell ist diese Frage für die verarbeitenden Molkereien, die um die Sicherung ihrer preiswerten Rohstoffversorgung bemüht sein müssen. Wer hier früh die Trends erkennt und die richtigen Standorte stärkt, dürfte für die kommenden Jahre im Wettbewerb die Nase vorn haben. Wobei für jedes Unternehmen die Vorzüglichkeit von Lieferanten- oder Verbrauchernähe individuell zu definieren ist.

Für die Wanderungsbewegungen bei der Quote ist es nicht unerheblich, ob es bei den zwei Handelsgebieten West und Ost bleibt, oder ob es demnächst ein bundesweites Handelsgebiet geben wird. Zwar sind Befürchtungen einer Abwanderung der Milcherzeugung aus einzelnen Regionen in diesem Fall nicht von der Hand zu weisen. Doch der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Milchwirtschaft wäre ein freierer Quotenhandel zuträglich. Hier bietet sich erneut die Chance für die Politik, den Marktkräften eine größere Bedeutung einzuräumen.

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