Warnung vor Garantie für Gentechnikfreiheit

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In den weltweit wichtigsten Anbauländern werden weitgehend gentechnisch veränderte (GV-)Sojabohnen angebaut. Daher müsse Sojaschrot bei der Mischfutterherstellung und als Einzelkomponente ab dem 18. April fast ausnahmslos entsprechend deklariert werden. Betroffen von der Deklarierungspflicht von GV-Produkten seien aber auch Maiskleberfutter und Maiskeimschrot, sowie Sonnenblumen und möglicherweise auch Rapsschrot, sagte Ulrich Niemann, der Präsident des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT), Bonn, vergangene Woche auf einer Pressekonferenz in Bonn. Da ab dem 18. April Futtermittel, die gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthalten oder daraus hergestellt wurden, gekennzeichnet werden müssen, seien die Mischfutterhersteller auf exakte Auskünfte der Rohstoff- und Zusatzstofflieferanten angewiesen. Erheblichen Klärungsbedarf gebe es noch bei Zusatzstoffen, die heute fast ausnahmslos mit Hilfe von GV-Verfahren hergestellt würden. Hier sei auf EU-Ebene noch immer unklar, welche Produkte unter die Kennzeichnungsregelung fallen sollten. Die EU-Kommission habe zwar eine Liste angekündigt, mit einer Veröffentlichung werde jedoch nicht vor Mitte 2005 gerechnet. Vorsichtshalber sollten Mitgliedsunternehmen daher alles kennzeichnen, auch wenn sich später herausstellen sollte, dass eine Kennzeichnung nicht notwendig war.

Nachdrücklich warnte Niemann davor, Garantieerklärungen für gentechnikfreie Produkte abzugeben. GVO-freie Futtermittel seien auf den internationalen Rohstoffmärkten kaum noch verfügbar, da sie in den wichtigsten Exportländern in der Regel nicht getrennt erfasst, transportiert und vermarktet würden. Zudem könne es durch Pollenflug, bei der Ernte, aber auch auf Transportwegen und bei der Lagerung zu Vermischungen kommen, sodass sich eine absolute Gentechnikfreiheit heute kaum noch garantieren lasse. Dieser Tatsache trage auch der Gesetzgeber Rechnung, da GVO-Bestandteile bis zu einer Höhe von 0,9 Prozent technisch unvermeidbar oder zufällig sein könnten und entsprechende Produkte nicht gekennzeichnet werden müssten. Voraussichtlich würden sich einige Betriebe auf die Bereitstellung von GVO-freier Ware spezialisieren. Die höheren Preise hierfür würden aber vermutlich zu einer rückläufigen Nachfrage führen.

In einer gemeinsamen Stellungnahme weisen der Verein der Getreidehändler an der Hamburger Börse und der Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft (BVA), Bonn, darauf hin, dass auf den Handel ein erheblicher organisatorischer Aufwand zukomme. Die gesamte Branche werde mit hohen Kosten durch zusätzliche Analysen und Untersuchungen konfrontiert. Große Sorgen bereite die fehlende Übereinstimmung in der Auslegung der EU-Verordnungen zwischen den Mitgliedstaaten, die Wettbewerbsverzerrungen befürchten lasse. (St)

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