az-Länderserie Saudi-Arabien

Wasserknappheit begrenzt die Produktion


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Während andere Länder von den Erdöllieferungen Saudi-Arabiens abhängen, ist das Königreich von Nahrungs- und Futtermittelimporten abhängig. Denn die Agrarproduktion reicht nicht aus, um die stetig wachsende Bevölkerung, die sich bis 2040 verdoppeln wird, zu versorgen. Zudem ist Wasser ein knappes Gut. So versucht die Regierung in anderen Ländern Flächen zu pachten oder zu kaufen, um die Versorgung zu sichern. In der Milchproduktion hingegen erreicht Saudi-Arabien wettbewerbsfähige Größenordnungen. So steht der weltweit größte Milchviehbetrieb auf der Arabischen Halbinsel.


Saudi-Arabien gehört nicht zu den Agrarländern der Welt, denn mehr als die Hälfte der Landesfläche besteht aus Wüste. Wohlstand hat dem Land seine reichlichen Vorkommen an Rohöl beschert. Dadurch zählt das Königreich Saudi-Arabien zu den reichsten Ländern der Welt. Agrargüter und Lebensmittel müssen jedoch zu einem Großteil importiert werden. Denn Saudi- Arabien ist eines der heißesten und trockensten Länder der Welt. Die Wasserversorgung setzt der Landwirtschaft daher enge Grenzen. Rund 173 Mio. ha der Landesfläche können zwar landwirtschaftlich genutzt werden. Davon entfällt aber das meiste auf Weideland, das von Nomaden für die Tierhaltung genutzt wird. Nur rund 3 Mio. ha stehen aktuell als Ackerland überhaupt zur Verfügung, davon muss etwa die Hälfte bewässert werden.


Die importierte Gerste dient vor allem als Futter für die Kamele, das wichtigste Transportmittel in der Wüste.
-- , Foto: Tokamuwi/pixelio.de
Die importierte Gerste dient vor allem als Futter für die Kamele, das wichtigste Transportmittel in der Wüste.
In den 1970er, 80er und 90er Jahren hat Saudi-Arabien mit einem enormen Subventionsprogramm die Agrarwirtschaft gefördert, um die Wüste zum Blühen zu bringen. Das Ziel: die Selbstversorgung des Landes mit Grundnahrungsmitteln und die Unabhängigkeit von Importen. So wurden viele Flächen künstlich bewässert und riesige Rinderfarmen aufgebaut. Dadurch wurde aber die Grundwasserversorgung zu einem Problem, das auch nicht mit Meerentsalzungsanlagen oder mit Tiefenbohrungen, womit fossile – jedoch nicht erneuerbare – Reserven zugänglich gemacht werden, behoben werden konnte. So beschloss die Regierung 2008 die Einstellung des Getreideanbaus. Stattdessen geht die saudische Regierung nun dazu über, verstärkt in landwirtschaftliche Flächen in anderen Ländern, zum Beispiel in der Türkei, Tansania, Pakistan oder dem Sudan, zwecks Vertragsanbau zu investieren.


Die Rinderfarmen aus dieser Zeit aber sind geblieben. So befindet sich der weltweit größte Milchviehbetrieb, die Al Safi Farm, mit 32000 Milchkühen und einer Tagesproduktion von 800000 Liter Milch in der Nähe der Hauptstadt Riad. Ein Teil des Futters wird auf 1000 ha bewässerter Fläche angebaut, der Rest muss importiert werden. Durch ein Joint Venture mit Danone wird die Milch gleich vor Ort verarbeitet, deckt damit ein Drittel des saudischen Bedarfs an Milchprodukten und versorgt auch andere Golfstaaten.


Darüber hinaus befindet sich auch das größte vertikal integrierte Molkereiunternehmen, der Almarai-Konzern, in der Nachbarschaft. Insgesamt sieben Farmen zwischen Riad und Al-Khar beherbergen 75000 Kühe und produzieren jährlich rund 930 Mio. Liter Milch. So beträgt der Selbstversorgungsgrad bei Milch im Wüstenstaat immerhin 77 Prozent. Neben Milch zählen auch Rindfleisch und vor allem Geflügelfleisch zu den wichtigsten tierischen Produkten des Landes. Der Selbstversorgungsgrad bei Geflügel beträgt 48 Prozent, bei Rindfleisch immerhin 27 Prozent. Auch Kamelfleisch ist beliebt. Darüber hinaus ist Saudi-Arabien der fünftgrößte Produzent von Kamelmilch.
(AW)


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