Report Düngemittel

Wasserschutz hat erste Priorität

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Landwirte in Deutschland müssen noch viel mehr als bisher tun, damit weniger Nährstoffe die Gewässer verschmutzen. Vor Kurzem stellte die Bundesregierung den Nitratbericht 2016 vor. Dieser erfasst die Nitratbelastung des Grundwassers unter landwirtschaftlichen genutzten Flächen. Die EU-Nitratrichtlinie schreibt an allen Messstellen einen Wert unterhalb von 50 mg/Liter Nitrat vor. Davon ist Deutschland weit entfernt. Fast ein Drittel der Messstellen für die Grundwasserqualität wiesen im Berichtszeitraum von 2012 bis 2014 zu hohe Nitratwerte auf. Im Vergleich zum Zeitraum 2008 bis 2011 des vorherigen Nitratberichtes 2012 hat sich der Anteil der Messstellen mit Nitratgehalten von mehr als 50 mg/Liter praktisch nicht verändert (siehe Länderkarten).

Verbot von Pralltellern

Damit blieben die zahlreichen Maßnahmen wie Beratung, Verbot von Pralltellern oder längere Sperrfristen, die die Nitratkonzentration verringern sollen, nahezu wirkungslos. Somit wird Deutschland weder der Nitrat- noch der Wasserrahmenrichtlinie, für die insbesondere die biologische Wasserqualität entscheidend ist, gerecht. Der Nitratbericht 2016 wertet erstmals auch die Einträge von Phosphor in Seen, Flüssen und Küstengewässern (Eutrophierung) aus. Phosphor, der durch die Düngung in die Umwelt gelangt, löst wie Nitrat übermäßiges Algenwachstum aus. Der angestrebte Zielwert, der sich jeweils nach dem Gewässertyp richtet, wird an rund 65 Prozent der Messstellen an Oberflächengewässern überschritten. Alle vier Jahre müssen die EU-Mitgliedstaaten gemäß der EU-Nitratrichtlinie an ausgewählten Messstellen den Grad der Verunreinigung von Gewässern aus landwirtschaftlichen Quellen ermitteln. Im Jahr 2012 veröffentlichte die EU-Kommission ihren letzten Nitratbericht. Die Ergebnisse sorgten für große Aufregung, da die zulässigen Nitratwerte in Deutschland deutlich überschritten wurden. Zudem gab es Kritik an der Auswahl von Messstellen. Diese seien bewusst nach besonders belasteten Gebieten ausgewählt worden, monierten Bauernverbände. Der Nitratbericht 2016 enthält nun Daten aus dem neu aufgestellten repräsentativen Messnetz, das 700 Einzugsgebiete von Ackerland, Sonderkulturen und Grünland umfasst. Damit erhöhte sich in Deutschland die Messstellendichte pro 1000 km² um 0,4 auf 1,9. Der Deutsche Bauernverband sieht in den aktuellen Ergebnissen keinen Trend einer Verschlechterung der Gewässerqualität. Rund 82 Prozent der Messstellen hielten den Nitrat-Schwellenwert von 50 mg/l ein. Gleichzeitig nahm an einem Drittel der Messstellen die Nitratkonzentration im Grundwasser ab, während die Zahl mit zunehmenden Nitratgehalten geringer ausfalle.

Wasserkosten steigen

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sorgt sich um die Kosten der Wasserverschmutzung: „Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns teuer zu stehen. Das zeigt sich beim Grundwasser. Wenn es zu stark mit Nitrat belastetet ist, muss es für unsere Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat muss technisch beseitigt werden. Das treibt die Wasserkosten für alle in die Höhe.“ (da)
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