Die Bezeichnung „Weidemilch“ ist nicht irreführend ist, wenn die Milch von Kühen stammt, die an mindestens 120 Tagen im Jahr wenigstens sechs Stunden auf der Weide waren. Das entschied das Oberlandesgericht Nürnberg in einem rechtskräftigen Urteil. Es korrigierte damit ein Urteil des Landgerichts Amberg.

Das in Niedersachsen entwickelte Label für Weidemilch fordert 120 Tage Weidegang.
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Das in Niedersachsen entwickelte Label für Weidemilch fordert 120 Tage Weidegang.
Ein Wettbewerbsverband hatte gegen einen Discounter geklagt, der bundesweit „Frische Weidemilch“ anbietet. Auf der Rückseite der Milchpackungen ist der Hinweis abgedruckt: „Bei diesem Produkt handelt es sich um 100 Prozent Weidemilch. Unsere Weidemilch stammt von Kühen, die mindestens 120 Tage im Jahr und davon mindestens 6 Stunden am Tag auf der Weide stehen“.

Der Kläger hatte argumentiert, dass es sich bei der Milch lediglich um ein Saisonprodukt handelt, da an 240 Tagen im Jahr die Voraussetzungen für eine Weidemilch nicht gegeben seien. Die Verbraucher würden daher irregeführt. Das Oberlandesgericht teilte diese Einschätzung nicht und kam so zu einem anderen Urteil als das Landgericht Amberg in erster Instanz.

Der Senat begründete seine Entscheidung damit, dass es keine rechtlichen Vorgaben dafür gebe, wann eine Milch als Weidemilch bezeichnet werden darf. Aus einem vom niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz entwickelten „Weidemilch-Label“ ergebe sich, dass es dem definierten Branchenstandard entspricht, dass die Kühe mindestens 120 Tage im Jahr sechs Stunden auf der Weide waren. (SB)

(Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg, Az. 3U1537/16)
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