Weizenmarkt 2012 zwischen Bulle und Bär

Auf eindeutige Preiserwartungen legen sich Marktteilnehmer vor der Saison 2012/13 nicht fest. Ein schwächerer Euro könnte den europäischen Weizenmarkt in der Ernte stützen. Grundsätzlich gibt es einige Argumente für feste Weizenpreise vor der neuen Ernte. Wie bullisch diese Argumente zu bewerten sind, darüber gingen die Meinungen während der Diskussion zum Thema "Der Getreidemarkt vor der Ernte 2012 - Bulle oder Bär" an diesem Dienstag auf dem Getreidehandelstag auf Burg Warberg auseinander.

Konrad Weiterer von der Landhandel Weiterer GmbH in Algermissen rechnet damit, dass der traditionelle Preisknick zur neuen Ernte in diesem Jahr später kommt. In der wichtigen Vermarktungsregion Niedersachsen hätten sowohl Landwirte als auch Mühlen und Mischer bislang verhältnismäßig wenig Vorkontrakte geschlossen. Hinzu kämen Auswinterungsschäden in Höhe von 25 Prozent bei Weizen in dem Bundesland. Fritz Diekgerdes von der Friedrich Diekgerdes Landhandels GmbH in Hemmelte erwartet, dass die Ernte in Niedersachsen drei bis vier Wochen später beginnt, bei "sehr, sehr leeren Lägern". Er rechne zudem damit, dass die Mischfutterindustrie im August in großem Umfang Weizen kaufen werde, was die Preise stützen würde.

"Eher leicht rückläufig" sieht Detlev Kock, Vorstand von der Hauptgenossenschaft Nord AG (HaGe) Kiel, dagegen die Preise tendieren. Ein bearisches Argument sei die sehr hoch erwartete weltweite Maisernte, die im gesamten Futtergetreidebereich für Entspannung sorgen werde. Eduard Haidl, Einkäufer bei der Kampffmeyer Mühlen GmbH in Hamburg, erwartet in der nahen Zukunft ebenfalls "schwächer bis seitwärts" tendierende Preise. Allerdings könnte ein weiter nachgebender Euro die Exporte aus Frankreich und auch Deutschland während der Erntephase ankurbeln. "Das birgt das Risiko, dass wir dann ausverkauft sind", so Haidl. (pio)
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