Der Exportschlachthof Gosschalk im niederländischen Epe hat seinen Abschlag je Eber von 3 auf 4,50 € je Tier erhöht. Abgelieferte Sauen und Börge werden hingegen ab sofort mit 1 € Aufschlag honoriert, berichtet das niederländische Fachblatt Boerderij. Gosschalk folgt damit den Wettbewerbern in den Niederlanden, die in den vergangenen Monaten den Basispreis für Eber gesenkt hatten. In einem Brief an die Lieferanten begründet das Unternehmen die Maßnahme mit dem zunehmend schwierigerem Absatz von Eberfleisch auf den Exportmärkten. Vor allem nach dem Wegfall des russischen Marktes, lasse sich Eberfleisch schlechter platzieren.

Mehr Eber nach Deutschland

Die Verwerfungen auf dem niederländischen Märkten wirken sich auch auf Deutschland aus, teilt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland - ISN mit. Am Tönnies-Standort Sögel nahe der niederländichen Grenze wurden immer mehr Eber aus den Niederlanden angeliefert. Tönnies kürzte daraufhin den Basispreis für Eber von niederländischen Schweinehaltern um 0,03 €/kg Schlachtgewicht. Deutsche Lieferanten sind nicht betroffen. Aktuell schlachten in Deutschland nur die großen drei Schlachtunternehmen Tönnies, Vion und Westfleisch in nennenswertem Umfang Jungeber. Der Marktanteil in Deutschland dürfte dennoch bei unter 5 Prozent aller Schweineschlachtungen liegen, schätzt die ISN. Insbesondere der Mittelstand halte sich zurück, da die Absatzmöglichkeiten für Eberfleisch begrenzt sind.

ISN: Handel schließt Eberfleisch aus

Als Schuldigen sieht die Organisation der Schweinehalter den Lebensmitteleinzelhandel. Obwohl dieser „vollmundig Tierwohl fordert, spricht die Einkaufspraxis der Supermärkte und Discounter eine andere Sprache: In den meisten Fällen wird Fleisch von Jungebern immer noch kategorisch ausgeschlossen", kritisiert die ISN. Clemens Tönnies hatte kürzlich erklärt, dass sein Unternehmen bei der Ebermast nicht auf der Bremse stehe, sie aber auch nicht weiter forcieren wolle. Aus Sicht der ISN ist es bedenklich, dass der Markt in den Niederlanden zwischen Sauen und Börgen auf der einen und Jungebern auf der anderen Seite gespalten sei. Vor einer solchen Entwicklung habe man immer gewarnt. Die Landwirte hätten ihre Hausaufgaben gemacht und in der Praxis bewiesen, dass die Ebermast machbar ist. Mit Hinweis auf den gesetzlich festgelegte Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration Ende 2018, fordert die ISN die nachgelagerten Stufen auf ebenfalls zu handeln. (az)
stats