Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutscher Bauernverbandes (DBV), sieht das schwindende Image und die zur Neige gehenden Möglichkeiten im Pflanzenschutz als Gründe für den schweren Stand des Weizens an. In der Diskussionsrunde „Weizen - Unser Brot in Gefahr? Eine Herausforderung für Landwirte und Züchter“ vergisst er aber nicht darauf hinzuweisen, was der Pflanze zu verdanken ist. „Wo die Menschheit heute steht, hat sie vor allem zwei Dingen zu verdanken. Dem Essen tierischer Proteine sowie dem Anbau von Getreide.“

Seit 10.000 Jahren baut die Menschheit Weizen an, es gilt heute als die wichtigste Kulturart. Darauf weisen auch Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und Stephanie Franck, Vorstandsvorsitzende, beim Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) hin. Ein „Weiter so“ aber kann es nicht geben, da sind sich die Diskutanten einig.

Pauschale Verteufelung

Denn die Wirkstoffe im Pflanzenschutz sind verbrannt worden. Zum einen durch Intensivanbau, zum anderen durch unsachgemäße Nutzung, bestätigt auch Krüsken. „Resistenzmanagement darf nicht nur auf einen Wirkstoff – der z.B. gerade billig ist – setzen“, sagt er. Doch: „Was wir politisch nicht brauchen, sind Denkblockaden“, gibt er zu bedenken. Er beobachte eine pauschale Verteufelung von Pflanzenschutzmitteln.

Der Vorstandsvorsitzender des BÖLW, Löwenstein, weist darauf hin, dass all das, was in Bezug auf Krankheitsresilienzen bei Weizen diskutiert wird, auf größere Strukturen übertragbar ist. „Der Weizen ist nur eine Metapher für eine größere Frage“, sagt er. Und die Antwort? „Wir brauchen stabile Systeme, wir brauchen mehr Artenvielfalt, Biodiversität.“ Das Problem der Resistenzen habe direkt mit der Frage der Artenvielfalt zu tun: Wer wird weggeräumt, wer wird in der Folge groß und schädlich. Krüsken stimmmt zu: „Vielfalt und Diversität helfen, die Resilienz zu stärken.“ Schlägt aber die Brücke zur Pflanzenzucht: „Wir brauchen auch Werkzeuge der Pflanzenzuchttechnik.“

Gesamtkunstwerk Innovation

Den Traum von Weizenzüchtern, mit CRISPR/Cas alle Probleme zu lösen, relativiert jedoch die Pflanzenzuchtexpertin Franck: „Die Vorstellung, dass einfache Gentechnik – am besten der Austausch eines einzigen Genes – die Lösung für Resistenzen sei, zeugt von Unkenntnis in Zuchtfragen. Innovationssysteme seien ein Gesamtkunstwerk. Damit sie funktionieren seien mindestens 50 Stellschrauben im Blick zu behalten – „wobei mehrere dringend in Gefahr sind“. (got)
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