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Barre GmbH kann mit Herkunft punkten – Kreativität gefragt im Wettbewerb

Agrarzeitung Ernährungsdienst 30. Juni 2007; Von Steffen Bach, Osnabrück

Der Biermarkt hierzulande wird von wenigen großen Brauereikonzernen dominiert. Insgesamt 29 deutsche Privatbrauereien setzen sich als „Freie Brauer“ gemeinsam für Vielfalt und unternehmerische Unabhängigkeit ein. Eine von ihnen ist die Brauerei Ernst Barre GmbH in Lübbecke.

Seit 165 Jahren braut die Familie Barre im ostwestfälischen Lübbecke Bier. Christoph Barre leitet die Privatbrauerei Ernst Barre GmbH in der sechsten Generation. Der 41-jährige Diplomkaufmann ist einer der aktuell 33 „Freien Brauer“, einem Zusammenschluss von mittelständischen Privatbrauereien aus Deutschland und Österreich. Frei und unabhängig möchte Barre auch in Zukunft bleiben. Um im Wettbewerb mit den Branchenriesen bestehen zu können, setzt Barre vor allem auf die regionale Verankerung seines Unternehmens.

Den Großteil des Umsatzes von 210.000 Hektolitern Bier erzielt Barre im Umkreis von 50 km. Kaum ein Fass oder eine Kiste Bier hat einen weiteren Weg als 80 Kilometer bis zum Verbraucher. Eine Ausnahme bildet ein kleines Gebiet um Lübbeckes Partnerstadt Bad Liebenwerder im Spreewald. Mehr als 1.500 Gaststätten sind Vertriebspartner der Brauerei – viele davon schon seit Generationen.

Durch den engen Kontakt zur Gastronomie ist der Fassbieranteil mit mehr als einem Drittel hoch. Bundesweit werden nur 18 Prozent der Bierproduktion in Fässer abgefüllt. „Der Markenaufbau über die Gastronomie ist wichtig“, erläutert Barre. Mit den millionenschweren Werbeetats der großen nationalen Marken könne man nicht mithalten. „Aber wir können mit unserer Herkunft werben“, sagt der Unternehmer. Die großen Marken führten ein Eigenleben, bei dem der Produktionsstandort keine Rolle mehr spiele.

Glaubwürdigkeit wichtiger Aspekt

„Die Menschen sehen, dass bei uns Wertschöpfung in der Region bleibt“, sagt Barre. Glaubwürdigkeit und Erlebbarkeit sind für ihn zwei zentrale Begriffe. Erlebbarkeit ist dabei durchaus wörtlich gemeint. Seit sechs Jahren lädt das erste ostwestfälische Brauereimuseum „Barre’s Brauwelt“ zu einem Streifzug durch die Unternehmensgeschichte ein. In dem 1842 aus Kalksandstein und Feldbrandziegeln errichteten früheren Gär- und Lagerkeller werden heute historische Brauereimaschinen, Werkzeuge und Sammlungen rund ums Bier ausgestellt. In sechs der 13 Kellergewölbe befindet sich eine Gaststätte. Im Brauerei-Shop können Besucher Merchandising-Artikel von Gläsern über Kleidung bis hin zu Freizeitartikeln erwerben.

Trotz aller Traditionspflege will die Brauerei innovativ bleiben. Mit der Wiedereinführung der Bügelverschlussflasche im Jahr 1981 setzte Christoph Barres Vater Ernst Ludwig einen Trend, dem bis heute andere Brauereien gefolgt sind. „Erst sind wir belächelt worden“, erinnert sich Barre. Doch der Mut, etwas Ungewöhnliches zu wagen, hat sich gelohnt. „Die Entscheidung meines Vaters hat das Unternehmen vorangebracht“, sagt der Geschäftsführer rückblickend. Als eine der ersten Brauereien nördlich des Mains startete Barre mit der Produktion eines Weizenbiers. „Die kleinen Brauereien sind oft die Vorreiter“, ist seine Beobachtung. Jedem Trend hinterherzulaufen ist dagegen nicht seine Sache. Neue Ideen müssten über eine lange Zeit tragfähig sein, damit sie Erfolg haben.

Barre ist Sprecher der „Freien Brauer“. In dieser Funktion setzt er sich für die Erhaltung von Bierkultur und -vielfalt ein. Die Initiative wurde 2006 von 35 konzernunabhängigen Brauereien aus Deutschland und Österreich gegründet. Sie produzieren rund ein Zehntel des in Deutschland gebrauten Bieres. In Österreich liegt der Anteil der „Freien Brauer“ bei rund 20 Prozent.

Fusionswelle rollt seit Jahren


Alle Brauereien müssen sich seit Jahren mit einem rückläufigen Absatz auseinander setzen. Seit einem Hoch durch die Wiedervereinigung ist der Bierkonsum stetig zurückgegangen. Wegen des anhaltenden Konzentrationsprozesses und der sinkenden Umsatzzahlen sehen nicht nur die konzernunabhängigen Brauereien die Vielfalt auf dem Biermarkt in Gefahr. Rückenwind erhalten die „Freien Brauer“ durch einen Wandel im Verbraucherverhalten. Das Seltene, Besondere und Authentische wird von einem Teil der Gesellschaft wieder geschätzt. So wurden die „Freien Brauer“ auf die Messe Slow Food eingeladen, die im Juni erstmals in Stuttgart stattfand. Seit einem Jahr sind einige Bierspezialitäten der „Freien Brauer“ im Katalog des Versandhandels „Manufactum“ gelistet. Unter dem Motto „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ vertreibt Manufactum nach traditionellen Kriterien hergestellte Produkte an eine kaufkräftige Kundschaft. Auch der Lebensmitteleinzelhandel habe erkannt, dass er sich mit Angeboten aus der Region gegenüber den Discountern abheben kann, sagt Barre. In allen wichtigen Unternehmen ist Barre gelistet. In den Lebensmittelmärkten könne man sich aber nur etablieren, „wenn sich die Artikel drehen, und dafür müssen wir sorgen“, sagt der Brauerei-Chef. In der Region sei die Nachfrage gut, das wisse auch der Handel zu schätzen. Die Brauerei profitiere dabei auch von den kurzen Lieferwegen, die ein schnelles Reagieren ermöglichen.

Schwieriger Rohstoffmarkt

Die Veränderungen auf dem Rohstoffmarkt sieht Barre mit einiger Sorge. Die Malzpreise haben sich in relativ kurzer Zeit verdoppelt. Es sei schwieriger geworden, mit den Mälzereien langfristige Kontrakte abzuschließen. „Früher konnten wir Verträge mit einer Laufzeit von drei bis vier Jahren abschließen“, sagt er. Heute würden die Mälzereien sich nicht länger als ein Jahr festlegen.

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