Report Düngemittel

Wetterkapriolen stellen Düngeplanung auf den Kopf


Das Scannen der Felder im Herbst mit dem N-Sensor liefert die Daten, um die Streukarten für die erste Düngegabe im Frühjahr zu erstellen.
-- , Foto: Agricon
Das Scannen der Felder im Herbst mit dem N-Sensor liefert die Daten, um die Streukarten für die erste Düngegabe im Frühjahr zu erstellen.

Im Winterraps hat sich das Scannen der Bestände mit dem N-Sensor nach der Aussaat in den Herbstmonaten in vielen Betrieben etabliert. Dabei entstehen Stickstoff- (N-)Aufnahme-Karten, die zur Berechnung von N-Streukarten zur ersten N-Gabe dienen. Steht die Startgabe im Frühjahr an, werden diese Karten automatisch abgestreut. Agronomische Grundlage dieses Verfahrens ist die Erkenntnis, dass Rapsbestände mit einer hohen N-Aufnahme im Herbst nur eine geringe Andüngung benötigen und umgekehrt. Der Effekt ist beachtlich: Die Stickstoff- (N-)Düngung verringert sich um bis zu 20 Prozent und das bei steigenden Rapserträgen. Viele Betriebsleiter wollten nun wissen, ob sich dieses Messverfahren auch auf Wintergetreide übertragen lässt.

Große Ertragsunterschiede

Diese Frage hat das Team von Agricon, als Anbieter des N-Sensors, aufgegriffen und Ergebnisse aus Großflächenversuchen zum Ertragsverhalten schwach und gut entwickelter Getreidebestände nach dem Winter ausgewertet. Betrachtet wurden 30 Versuche, die zur zweiten, dritten und eventuell vierten N-Gabe mit dem Yara N-Sensor gedüngt worden sind. Dabei lässt sich folgender Zusammenhang herstellen: In Jahren mit klimatisch günstigen Rahmenbedingungen – also mit optimal verteilten Niederschlägen und moderaten Temperaturen – erreichen sowohl schwach als auch gut entwickelte Bestände hohe bis sehr hohe Erträge. Die Ertragskarten sind sehr ausgeglichen und differenzieren nur gering in Hochertrags- und Niedrigertragszonen.

In Jahren mit ungünstigen klimatischen Bedingungen – zum Beispiel mit kurzen Frühjahren, sehr trockenen Bedingungen im April und Mai, oftmals verbunden mit unzureichender Vorwinterentwicklung – erreichen schwache Bestände keine hohen Erträge, trotz gezielter Förderung mit Stickstoff. Die Ertragskarten differenzieren sehr stark in Hoch- und Niedrigertragszonen. Daraus leitet sich ab, dass auch mit einer erhöhten Schossergabe schwach entwickelte Bestände nach dem Winter nur bedingt zu Höchsterträgen geführt werden können. Es muss bereits vorher versucht werden, diese schwachen Getreidebestände zu vermeiden.

In einer bundesweiten Erhebung haben N-Sensor-Nutzer im Herbst 2014 ihre Getreidebestände gescannt. Erfasst wurden 7000 ha. Für den Winterweizen konnten 138 Felder mit einer Fläche von insgesamt 418 ha, für die Wintergerste 147 Felder mit 709 ha ausgewertet werden. Die Spreizung der N-Aufnahme erreichte beim Winterweizen als Mittelwert den Faktor 2,4 bis 5. Einzelwerte divergierten noch stärker. Bei der Gerste erreichen die Unterschiede den Faktor 2,7 bis 10,3. Diese große Heterogenität entspringt sowohl unterschiedlichen Pflanzenanzahlen als auch einer um zwei bis drei Wochen divergierenden Pflanzenentwicklung.

Später zu Schossbeginn im Entwicklungsstadium 30 bis 31 präsentieren sich diese Bestände innerhalb eines Schlages sehr unterschiedlich: Teilflächen mit geringer N-Aufnahme wechseln sich ab mit Teilflächen mit hohen N-Aufnahmen. Kommt in dieser Situation im April und Mai noch eine ausgeprägte Vorsommertrockenheit hinzu, kommt es zu einer Kettenreaktion: Die biomassereichen Bestände wachsen ganz normal weiter. Hingegen bleiben die biomassearmen Kulturen in ihrer Entwicklung nahezu stehen. Teilweise entwickeln sich die Kulturen sogar zurück.

Hitzestau in den Beständen

Dünne, schwach entwickelte Pflanzen mit einer Aufnahme von 20 bis 30 kg N/ha bedecken den Boden in keiner Weise. Damit setzt sich eine Spirale von sich gegenseitig verstärkenden Faktoren in Gang. Das Sonnenlicht dringt auf den Boden durch. Diese Flächen trocknen in den ersten 30 Zentimetern schrittweise aus. Es gibt keine Schattenbildung durch die Pflanzen; somit gibt es auch geringere bis gar keine Tauereignisse, die gedüngten Stickstoff in Lösung bringen könnten. Einher geht damit eine um 2 bis 3 Grad Celsius erhöhte Temperatur im Bestand, die zu einer deutlichen Verringerung der Saugspannung der Pflanzen um 3 bis 5 bar führt. Die Wasseraufnahmefähigkeit der Wurzeln wird damit stark eingeschränkt.

Die Ursachen dafür sind vielfältig und regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Dazu zählen unter anderem eine Zunahme extremer Wetterlagen, Veränderungen in der Fruchtfolge, eine reduzierte Grundnährstoffversorgung und Bodenbearbeitung.

Als Reaktion darauf bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Eine, die schnell und unkompliziert umgesetzt werden kann, ist die deutlich höhere Andüngung schwach entwickelter Teilflächen mit schnell wirksamem Stickstoffdünger. Damit kann der Praktiker die Pflanzen gezielt anregen, die fehlende Bestockung nachzuholen. Gleichzeitig wird ein Vorrat an Stickstoff angelegt für den Fall, dass aufgrund von Trockenheit im April die Schossergabe nicht sofort wirksam werden kann.

Reize zur Bestockung auslösen

Die Bemessung der ersten N-Gabe auf Basis der Vorwinterentwicklung hat sich hierbei bewährt. Praktisch läuft dies ähnlich wie die Sensorbonitur im Raps ab: Alle Getreidebestände werden im November beziehungsweise zum letztmöglichen Zeitpunkt im Jahr gescannt. Dies erfolgt mit dem Yara N-Sensor durch ein Abfahren aller Fahrspuren. Beim Scannen wird flächendeckend die N-Aufnahme erfasst. Diese Daten fließen in das Datenportal Agriport ein, einer Internet-Anwendung speziell für Precision Farming. Auf dieser Grundlage kann der Anwender die N-Streukarten für die Startgabe im Frühjahr berechnen.

Ein Beispiel einer auf diese Art erzeugten Andüngungskarte zeigt die nebenstehende Grafik. Die gemessene N-Aufnahme eines 22 ha großen Gerstenschlages zeigt eine Schwankung innerhalb des Feldes von 14 bis 34 kg N/ha. Mit dem Anwenderprogramm Agriport berechnet der Landwirt für diesen Schlag eine Andüngung, die teilflächenspezifisch zwischen 30 und 89 kg N/ha variiert. Steht die Startgabe an, wird diese Streukarte direkt im Terminal des Streusystems geladen und automatisch abgearbeitet. Schwach entwickelte Bestände werden schon mit der Startgabe gezielt gefördert; in gut und sehr gut entwickelten Teilflächen werden N-Dünger und damit Kosten gespart. Alle weiteren N-Gaben des Vegetationszeitpunkts erfolgen schließlich online mithilfe des N-Sensors, wobei das Messen der N-Aufnahme und Applizieren der N-Menge in einem einzigen Arbeitsgang erfolgen.

Peer Leithold, Agricon GmbH, Jahna
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