Auch die Agravis-Zetrale in Münster war ein Ziel der Ermittler.
-- , Foto: Agravis
Auch die Agravis-Zetrale in Münster war ein Ziel der Ermittler.

Das Bundeskartellamt hat bereits am Dienstag in einem Agrartechnikverfahren mehrere landwirtschaftliche Hauptgenossenschaften in Deutschland durchsucht. An der Aktion waren rund 40 Mitarbeiter des Bundeskartellamtes und der Polizei beteiligt, teilte die Behörde auf Anfrage der agrarzeitung (az) mit. In dem Ermittlungsverfahren gehen die Beamten dem Verdacht nach, dass es zwischen den Hauptgenossenschaften zu Kartellabsprachen beim Verkauf von Landmaschinen und Ersatzteilen sowie bei der Abrechnung von Werkstattleistungen gekommen sein könnte. Die Durchsuchung erfolgte nach einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Bonn, das damit einen Anfangsverdacht für einen Kartellrechtsverstoß bestätigte. Die Durchsuchungen dienten der Aufklärung des Sachverhalts und bedeuten ausdrücklich nicht, dass sich die betroffenen Unternehmen und Personen tatsächlich eines Kartellrechtsverstoßes schuldig gemacht haben, betont ein Sprecher des Bundeskartellamtes gegenüber der agrarzeitung.

Durchsichtet wurden die Zentralen der BayWa in München, der Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main in Köln sowie der Agravis in Hannover und Münster. Hans-Josef Hilgers, Vorstandsvorsitzender der RWZ, erklärt auf Anfrage der agrarzeitung (az) dazu: „Wir sind uns keinen kartellrechtlichen Verstößen bewusst und werden daher vollumfänglich mit den Kartellbehörden kooperieren, um den Sachverhalt aufzuklären."

„Die Agravis Raiffeisen AG arbeitet kooperativ mit den untersuchenden Behörden zusammen“, versichert ein Unternehmenssprecher in Münster. Die Raiffeisen Waren, Kassel, wollte Ermittlungen des Kartellamtes auf Nachfrage der agrarzeitung (az) weder dementieren noch bestätigen. Die ZG Raiffeisen Karlsruhe erklärte, von den Untersuchungen nicht betroffen zu sein.

„Wir arbeiten selbstverständlich mit dem Bundeskartellamt zusammen, damit die Vorwürfe so schnell wie möglich aufgeklärt werden“, so der Vorstandsvorsitzende der BayWa AG, Klaus Josef Lutz. „Sollte es in der Vergangenheit zu Fehlverhalten gekommen sein, werden die Verantwortlichen mit aller Konsequenz zur Rechenschaft gezogen.“ Allerdings hätten interne Untersuchungen der BayWa im letzten Jahr keine Hinweise ergeben, die die jetzt erhobenen Vorwürfe bei der Landtechnik bestätigen würden, versichert das Unternehmen.

Im Jahr 2015 gab es bereits eine Kartelluntersuchung bei verschiedenen Agrarunternehmen in Deutschland, unter anderem auch bei der BayWa, im Bereich Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln. Zum Stand dieser Untersuchung beim Kartellamt liegen der BayWa AG, nach eigenen Aussagen, keine näheren Erkenntnisse vor. (HH/dg/St/SB)
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