Untypisch: Die Zweistellige Sandbiene taucht im Rheinland auf.
-- , Foto: Olaf Diestelhorst
Untypisch: Die Zweistellige Sandbiene taucht im Rheinland auf.

Im Kreis Euskirchen, gelegen im südwestlichen Nordrhein-Westfalen, wurde die Zweizellige Sandbiene (Andrena lagopus) entdeckt. Ob sie als Gast nur kurze Zeit bleibt oder in Nordrhein-Westfalen eine weitere Heimat gefunden hat, ist noch ungewiss, teilt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit. Denn bisher kennt man die Wildbiene lediglich aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg. Im Jahr 2015 wurde sie zudem in Thüringen nachgewiesen, berichtet Olaf Diestelhorst. Der Biologe hatte die neue Wildbienenart am Donnerstag in Zülpich im Rahmen eines faunistischen Monitorings im Rahmen des Projekts „Summendes Rheinland – Landwirte für Ackervielfalt“ der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft entdeckt.

Die wärmeliebende und daher eher im Süden Europas verbreitete Zweizellige Sandbiene besiedelt vor allem Offenland-Lebensräume. Dabei ist sie hauptsächlich auf Blühflächen mit einem hohen Angebot von Raps, Ackersenf oder Wiesen-Schaumkraut zu finden. Denn zur Versorgung ihres Nachwuchses ist sie ausschließlich auf das Sammeln des Pollens bestimmter Kreuzblütler spezialisiert.

Treibt der Klimawandel das Tier gen Norden?

Eine Vermutung, warum diese Wildbienenart auch im Rheinland nachgewiesen wurde, erläutert Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN): „Die Zweizellige Sandbiene gehört zu den Arten, die offenbar vom Klimawandel profitieren und ihr Verbreitungsgebiet nach Norden ausdehnen. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass auch den spezialisierten Arten die benötigten Nahrungsgrundlagen zur Verfügung stehen, gleich ob es der Blütenreichtum in den Kalkmagerrasen der Eifel oder die Blühflächen in den Hochertragsflächen der Börde sind.“

In Nordrhein-Westfalen sind 364 Wildbienenarten etabliert, wovon bereits 45 Arten ausgestorben und 35 Prozent der Arten aktuell bestandsgefährdet sind (Rote Liste NRW, 2011). Für spezialisierte Bienenarten wie die Zweizellige Sandbiene ist das Vorkommen bestimmter Pflanzenarten der begrenzende Faktor in einem potentiellen Lebensraum. Dies spielt nicht nur eine Rolle bei der ausreichenden Versorgung des Nachwuchses mit der richtigen Pollenart, sondern auch bei erwachsenen Wildbienen, die sich fast ausschließlich vom Nektar dieser Pflanzen ernähren.

Ziel des Projektes „Summendes Rheinland“ist es, die Lebensbedingungen für bestäubende Insekten in der Niederrheinischen Bucht im Dreieck zwischen Köln, Bonn und Aachen, einer intensiv genutzten Ackerbauregion, zu verbessern. Das Projekt wird seit Oktober 2013 für sechs Jahre durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Weitere Fördergelder stellt die Landwirtschaftliche Rentenbank bereit. Das Gesamt-Finanzvolumen des Projektes liegt bei rund 1,1 Mio. €. (az)
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