Winter lähmt russische Exporte


Eine baldige Begrenzung der Getreideexporte aus Russland und der Ukraine erscheint möglich. Ob die Regierungen Maßnahmen ergreifen, wird sehr unterschiedlich eingeschätzt. In Russland hatte Vizeregierungschef Viktor Zubkov bereits im Oktober 2011 ein Exportziel von 24 Mio. t verkündet und für darüber hinaus gehende Mengen Zölle in Aussicht gestellt. Bis Mitte dieser Woche sind aus der Ernte 2011 nach seinen Angaben 19,5 Mio. t Getreide ausgeführt worden. Das bedeutet, dass bis Juni 2012 nur noch Raum für 4,5 Mio. t bliebe. Mehr Getreide kommt möglicherweise gar nicht, meinen die Agrarexperten der US-Botschaft in Moskau. Die Region Südrussland, von wo der Großteil der russischen Exporte stammt, sei fast ausverkauft. Jetzt müsste Getreide aus marktfernen Regionen wie Sibirien für Exporte mobilisiert werden. Damit rechnet die US-Botschaft aber nicht vor dem Ende des russischen Winters.

Unübersichtlich ist die Lage in der Ukraine. Dort hat Agrarminister Mykola Prysjazhnjuk in der vorigen Woche erklärt, dass die Regierung „bei einem starken Preisanstieg für Mahlweizen" die Getreideexporte bremsen könnte. Nach seinen Angaben sind aus der Ukraine bis Mitte Januar 10,4 Mio. t Getreide exportiert worden. Bis Juni 2012 sollen nach seiner Planung weitere 12 bis 14 Mio. t dazu kommen. Die Ukraine hat sich in dieser Saison zu einem bedeutenden Maisanbieter für den Weltmarkt entwickelt, wogegen das Land mit Weizenexporten zurückgefallen ist. (db)
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