Situationsbericht 2016

Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt

"Leider muss ich erneut über eine wirtschaftlich schwierige Situation auf deutschen Betrieben berichten", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, heute in Berlin. Der gesamte Produktionswert der Landwirtschaft in Deutschland sei  im zweiten Jahr in Folge gesunken, führte Rukwied bei der Vorstellung des Situationsberichts 2016 des DBV aus. Um drei Prozent auf etwa 50 Mrd. € ist die Produktionswert des gesamten Sektors im Vergleich zum Vorjahr gefallen.

Mit einem Minus von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielten die Ackerbaubetriebe mit einem Unternehmensergebnis von 38.000 € die höchsten Einkommen. Die Milcherzeuger sahen sich den Angaben zufolge mit einem Preisrückgang von weiteren 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr konfrontiert. Entlastend für sie wirkten jedoch gefallene Futtermittelpreise sowie die entfallenen Aufwendungen für Quotenpacht, Abschreibung von Lieferrechten sowie weggefallene Strafzahlungen für Überlieferungen in Form der Superabgabe. Das Unternehmensergebnis je Milcherzeuger weist der Situationsbericht mit 25.000 € aus. 

In den auf Schweine- und Geflügelhaltung spezialisierten Veredelungsbetrieben verringerte sich das Unternehmensergebnis je Landwirt um rund zehn Prozent auf 29.200 €. Dabei mussten jedoch die Sauenhalter und Ferkelerzeuger erheblich größere Einbußen verkraften als die Mäster, sagte Rukwied.

Ökobetriebe bleiben verschont

Deutliche Verluste entstanden den Agrargenossenschaften in den ostdeutschen Bundesländern. Sie schlossen das Wirtschaftsjahr 2015/16 mit Fehlbeträgen von durchschnittlich 97.000 € ab. Hierin seien jedoch die Personalkosten enthalten, so der DBV-Präsident.

Eine Ausnahme in der negativen Entwicklung der Gewinne stellen dem DSituationsbericht zufolge die Ökobetriebe dar.  Sie konnten ihr Ergebnis je Landwirt um 21 Prozent auf 48.800 € verbessern. Hierbei sei jedoch zu berücksichtigen, dass ein Ökobetrieb im Durchschnitt zusätzliche Prämien zur Förderung des Ökolandbaus und für Agrarumweltmaßnahmen in Höhe von 26.000 € erhalten habe, konventionelle wirtschaftende Betriebe dagegen nur 3.300 €.

Ausfuhr entscheidet

Mittlerweile gebe es jedoch Zeichen für eine Umkehrung der Preistrends an wichtigen Teilmärkten, führte Rukwied aus. So hätten im zweiten Halbjahr 2016 die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch wieder deutlich angezogen. Ursache dafür sei auch die stärkere Nachfrage auf den internationalen Märkten. Dies zeige deutlich die Bedeutung des Exports von größtenteils sehr spezialisierten Nahrungsgütern, beispielsweise der Säuglingsnahrung. Nach wie vor setze die deutsche Landwirtschaft 75 Prozent ihrer Waren im Heimatmarkt ab, etwa 20 Prozent gehen in die Länder der Europäischen Union und nur etwa fünf Prozent auf den internationalen Markt. "Aber genau diese Prozent sind entscheidend für die Erzeugerpreise", sagte Rukwied. Daher unterstütze der DBV die Bemühungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL), weiterhin neue Absatzmärkte zu erschließen. (jst)  
 

 
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