az-Länderserie Ungarn

Wirtschaftskraft jenseits von Puszta, Paprika und Tokajer


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Wichtigste Handelspartner sind vor allem Deutschland und Österreich sowie die anderen Nachbarstaaten Slowakei, Ukraine, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien. Der Zusammenbruch des sozialistisch geprägten Ostblocks hat seine Spuren hinterlassen. Noch längst hat Ungarn sein landwirtschaftliches Potenzial nicht wieder vollständig ausgeschöpft, auch wenn die Regierung die Erzeuger mit Förderprogrammen unterstützt. Eine kleinteilige Agrarstruktur, Investitionen in moderne Technik und Infrastruktur sind die Herausforderungen.

Paprika ist zwar das Wahrzeichen der ungarischen Küche und darf in keinem Gulasch fehlen, aber die traditionelle Produktion schrumpft. Längst gehören Getreide, Fleisch- und Milchprodukte zu den gefragtesten Agrar- und Exportgütern des zentraleuropäischen Landes. Dabei ist die Donau die wichtigste Verkehrsader für den Export. Bedeutende Umschlaghäfen für Schüttgüter sind Baja, Mohács, Györ und Dunaújvàros.

Ungarns wechselvolle Geschichte hat auch die Landwirtschaft geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ungarn sozialistisch regiert, Großbetriebe beherrschten das Bild. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 wurde Ungarn zur parlamentarischen Republik und die staatlichen Produktionsgenossenschaften mitunter wieder aufgelöst. Dies hat auch zu deutlichen Einschnitten in einzelnen Produktionszweigen geführt.

Nach dem letzten Agrarzensus 2013 wurden in Ungarn 491000 Agrarbetriebe gezählt. Dabei gibt es extreme Unterschiede in den Größenverhältnissen zwischen kleineren Familienbetrieben und größeren Kapitalgesellschaften, die zumeist Nachfolgeorganisationen der staatlichen Produktionsgenossenschaften sind. 83 Prozent der Betriebe bewirtschaften 5 ha oder weniger, ihre betriebliche Ausstattung lässt noch viele Wünsche offen, entsprechend niedrig ist die Produktivität. 1,7 Prozent der Agrarbetriebe verfügen über 100 ha und mehr und bewirtschaften rund 64 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Der Investitionswille hängt bei kleineren Betrieben stark von der Verfügbarkeit der Fördergelder ab. Aus Brüssel erhalten ungarische Landwirte rund 1,3 Mrd. €. Knapp 175000 Betriebe sind prämienberechtigt. Darüber hinaus gibt es nationale Förderprogramme sowie Steuererleichterungen für die Landwirtschaft. Ein Fünftel sind reine Ackerbaubetriebe, mehr als ein Drittel spezialisierte Veredelungsbetriebe. Auch in Ungarn spielt die Überalterung der Landwirte eine Rolle. Über die Hälfte der Betriebsleiter ist 55 Jahre und älter.

Neben der Getreideproduktion ist die tierische Erzeugung ein wichtiger Wirtschaftszweig. Nach 1989 brach auch die Tierproduktion massiv ein und hat seitdem zwar nicht mehr ihr ursprüngliches Niveau erreicht, dennoch ist Ungarn Nettoexporteur. Milch ist das wichtigste Produkt. Derzeit werden knapp 1,8 Mio. t Milch erzeugt. Knapp 40 Prozent davon werden als Frischmilch, Butter und Molkereiprodukte exportiert. In der Fleischproduktion spielt Geflügelfleisch die wichtigste Rolle. Es ist vor allem in Rumänien, der Ukraine, Deutschland und Großbritannien gefragt. An zweiter Stelle steht Schweinefleisch, das vor allem nach Rumänien und Russland – zumindest vor dem Embargo – ausgeführt wird. Die Rindfleischerzeugung dagegen ist kaum mehr von Bedeutung. (AW)

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar
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