Report Pflanzenschutz

Wissen für Praktiker und Forscher


„80 Prozent Ehrenpreis, 20 Prozent Taubnessel, 10 Prozent Ackerfuchsschwanz" – so lautet die Bestandsaufnahme in der Nullparzelle. Erwin Hüfner, Versuchstechniker auf dem Erbacher Hof, bonitiert im April Parzelle für Parzelle eines Herbizidversuchs mit Winterweizen. Die Weizenpflanzen haben in der Woche nach Ostern das Stadium 31 erreicht. Für die Null-Parzelle gibt der erfahrene Pflanzenbauer jedoch schon eine vernichtende Prognose: „Hier ist mit mindestens 50 Prozent Ertragsverlust zu rechnen, wenn nicht sogar mit Totalausfall."

Erwin Hüfner bonitiert die Versuche auf dem Erbacher Hof.
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Erwin Hüfner bonitiert die Versuche auf dem Erbacher Hof.

Landwirte suchen den Austausch

Hüfner präsentiert im April einen kleinen Ausschnitt der Feldversuche auch seinen Berufskollegen. Jedes Jahr Mitte April lädt Bayer Crop Science Praktiker ein zum Feldrundgang auf den Erbacher Hof, um die aktuellen Maßnahmen, die auf dem Acker anstehen, zu diskutieren. Das Spektrum reicht von der Düngung über den Einsatz von Wachstumsreglern, Herbiziden und Rapsinsektiziden bis zu Hinweisen zur Fungizidstrategie. „Die Landwirte in der Region nehmen das Angebot dankbar an“, erzählt Jürgen Beutel, der als Beratungsmanager für das Pflanzenschutzunternehmen die Südhälfte von Hessen sowie die Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland betreut. Der Einladung zum Feldrundgang in der Wetterau folgen jährlich im April 150 bis 180 Besucher aus einem Umkreis von etwa 50 km. Zahlen zeigen das Risiko

Jürgen Beutel bringt praxisrelevante Fragen aus der Region ein.
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Jürgen Beutel bringt praxisrelevante Fragen aus der Region ein.

Region wird berücksichtigt

In diesem Jahr stoßen Prognosen für den Krankheitsbefall im Getreide auf besonders großes Interesse. Beutel und Hüfner werden seit Wochen regelmäßig nach der Infektionsgefahr mit Gelbrost gefragt. Seit der ungewöhnlich rasanten Ausbreitung im Vorjahr fürchten Landwirte das Risiko, mit der Bekämpfung zu spät zu kommen. „Bis zu 47 Dezitonnen pro Hektar Ertragsunterschied haben wir zwischen der behandelten und unbehandelten Parzelle festgestellt", bestätigt Beutel an einem extremen Beispiel aus dem Versuchsjahr 2014, dass solche Sorgen berechtigt sind.

Beutel kann die Versuche auf dem Erbacher Hof mitgestalten. Sobald bei ihm oder Kollegen in seiner Region relevante Praxisfragen auftauchen, lässt er sie in der Versuchsanordnung berücksichtigen. Außerdem ist der Erbacher Hof ein wichtiger Standort im bundesweiten Versuchsnetz von Bayer Crop Science, in dem neue Pflanzenschutzmittel und das Standardsortiment geprüft werden (siehe Kasten). Die ehemals fürstliche Domäne liegt in ruhiger Lage 2 km vom Zentrum des Städtchens Büdingen entfernt und weist eine hervorragende Infrastruktur auf. Hinzu kommen Kontinuität und Erfahrung am Standort. Die Versuchsflächen werden seit Langem fachmännisch betreut. Dafür verbürgt sich auch Hüfner. Der Landwirtschaftsmeister arbeitet seit 25 Jahren als Versuchstechniker und seit zwölf Jahren auf dem Erbacher Hof. Bei den Exaktversuchen mit zwei bis drei Wiederholungen zeigen parallel auch namhafte Züchter die Leistungsfähigkeit ihrer Sorten von Raps, Weizen, Roggen und Triticale. Anschauung in der Saison

Diese Vielfalt und die Praxisnähe ziehen Landwirte der Region an. Nach dem Feldrundgang im April folgt der große Feldtag Anfang Juni, zu dem nach den bisherigen Erfahrungen regelmäßig 200 bis 250 Besucher anreisen. „Dann können Landwirte an vielen Kulturen bereits sehen, welche Mittel gewirkt haben", erklärt Beutel die Attraktion. Das gelte für alle Herbizidmaßnahmen in Zuckerrüben, Mais und Getreide sowie in Raps und Wintergerste für praktisch den gesamten Pflanzenschutz.

Die Weizenspezialisten kommen Anfang Juli auf ihre Kosten, wenn die Bayer-Fachleute die entsprechenden Versuche mit Pflanzenschutzvarianten in unterschiedlichen Sorten präsentieren. Den Abschluss der offiziellen Feldtage auf dem Erbacher Hof bietet das Nacherntegespräch im September. Hier können anhand erster Ergebnisse Aussaatempfehlungen zur Herbstbestellung gegeben werden. „Rat zur Saat" nennt Beutel die Veranstaltung. Gleichzeitig lassen sich im September noch gut die Maissortenversuche besichtigen.

Die Versuchsspritze ist jetzt fast ununterbrochen im Einsatz.
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Die Versuchsspritze ist jetzt fast ununterbrochen im Einsatz.

Besuch aus dem Labor

Außerdem treffen auf dem Erbacher Hof das ganze Jahr über wechselnde Besuchergruppen ein, unter anderem auch aus dem eigenen Unternehmen. Für die Herbizidforscher am Bayer-Crop-Science-Standort Frankfurt-Höchst bietet der etwa 50 km entfernt gelegene Versuchsstandort ideale Anschauung, welchen Anforderungen sich neue Mittel in der Praxis stellen müssen. Der Außendienst des Herstellers nutzt ebenfalls immer wieder die Gelegenheit, sich am praktischen Beispiel mit Kollegen über die richtige Beratungsempfehlung auszutauschen. „Wir liefern auch die Ergebnisse für die Winterveranstaltungen", nennt Beutel als typische Anforderung.

Bayer Crop Science betreibt bundesweit Versuchsstandorte, auf denen Sorten und Pflanzenschutzmittel in unterschiedlichen Aufwandmengen, Produktkombinationen und Spritzfolgen eingesetzt werden. Seit Kurzem können sich Landwirte auch online auf einer eigens eingerichteten Plattform über alle Versuchsergebnisse und Neuigkeiten auf dem Laufenden halten.

Konkrete Empfehlungen

Mittlerweile sind die Pflanzenschutzfirmen wichtige Anbieter von Versuchen, die von der Offizialberatung nicht in einem solchen Umfang bereitgestellt werden könnten, beobachtet Beutel. Außerdem stellt er fest, dass Landwirte die Auswahl zwischen verschiedenen Informationsangeboten von amtlichen Stellen, den Beratungsdiensten oder dem Großhandel und den Herstellern schätzen. Durchweg groß sei jedoch der Bedarf an praxisnahen und konkreten Empfehlungen. Daran ändere sich auch nichts durch die Verbreitung neuer Medien. „Zunehmend sehe ich eine Unkraut-App auf dem Smartphone statt der früheren gedruckten Unkrautfibel. Die Fragen sind jedoch immer noch die gleichen", stellt der erfahrene Berater fest.

Und noch etwas hat sich für ihn in den Jahrzehnten der Beratungstätigkeit nicht geändert: „Der Erfolg unserer Arbeit beruht darauf, dass wir auf Basis vertrauensvoller Zusammenarbeit Beziehungen aufbauen." Dass es gelungen ist, merkt Beutel immer dann, wenn Landwirte ihn nach einem Jahr wieder anrufen, um seine Ansicht zu aktuellen Pflanzenschutzthemen zu erfahren. (db)
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