Wissenschaft warnt vor Exodus in der Gentechnik-Forschung

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Die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten, Horst Seehofer, den Freistaat zur gentechnikfreien Zone zu machen, ist für den Präsidenten der Technischen Universität München (TUM), Prof. Wolfgang Herrmann, "ein peinlicher und provinzieller Schlachtruf der Politik". Das sei ein verheerendes Signal für die Wissenschaft und werde einen Exodus in der Forschung heraufbeschwören, warnt der Wissenschaftler. Es würden mit derartigen wahltaktischen Äußerungen lediglich diffuse Ängste in der Bevölkerung geschürt, die dazu führen, dass Patente im Ausland entstünden, die zum Schaden der Volkswirtschaft morgen teuer lizensiert werden müssten. Nach Ansicht von Herrmann gehe es der Genforschung in der Landwirtschaft heute so, wie der medizinischen vor 25 Jahren: Sie werde abgelehnt, auch wenn Risiken nicht bewiesen seien. Die Standortbeauftragte der TUM in Weihenstephan, Prof. Anna Reichlmayr-Lais, befürchtet ebenfalls eine Abwanderung der Forschung aus Bayern. Schon heute fänden die meisten Versuche auf diesem Gebiet in Ungarn, Korea, England und den USA statt. Weihenstephan ist das größte Zentrum für grüne Biotechnologie in Bayern. (HH)
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