Report Pflanzenschutz in der Saison

Wissenschaftler analysieren Einsatz von Glyphosat


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Bei Landwirten ist ein differenziertes Stimmungsbild zu Glyphosat erkennbar. Einerseits schätzt ein Großteil der Anwender die gute Wirksamkeit gegenüber Unkräutern, den positiven Effekt auf die Feldhygiene, arbeitswirtschaftliche Vorteile sowie eine erosionsmindernde Wirkung in Kombination mit der konservierenden Bodenbearbeitung. Andererseits beschreiben Praktiker auch Problemfelder bei der Anwendung. Dazu zählen der Einsatz zur Vorerntebehandlung bei Getreide und Ölsaaten, erhöhte Einträge in das Grundwasser, langes Brachliegen von vergilbten Äckern nach der Applikation sowie der nicht sachgemäße Umgang von Privatpersonen, etwa durch Kleingärtner.

Komplett auf den Einsatz verzichteten im vergangenen Jahr 15 Prozent der Landwirte. Besonders in Grünlandregionen ist der Einsatz geringer, da der Wirkstoff hier lediglich beim Umbruch oder der Neueinsaat genutzt wird. Demgegenüber werden etwa 37,1 Prozent der bundesweiten Ackerfläche jährlich mit Glyphosat behandelt.

Wirksam nach der Ernte

Verwendet wird der Wirkstoff zur Stoppel-, Vorsaat- und Vorerntebehandlung. Die Stoppelbehandlung dient vornehmlich zur Bekämpfung von Ausfallgetreide oder Wurzelunkräutern im Anschluss an den Drusch. Sie erfolgt entweder auf einem Stoppelacker ohne jegliche Form der Bodenbearbeitung oder nach einer flachen Bodenbearbeitung, die mit dem Grubber oder der Scheibenegge durchgeführt wird. Mit einem Anteil von etwa 22,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland stellt die Stoppelbehandlung das bedeutendste Einsatzfeld für Glyphosat dar. Bezogen auf die mit Glyphosat behandelte Fläche stellt der Einsatz direkt nach der Ernte 60 Prozent aller Anwendungen (siehe Grafik).

Die Vorsaatbehandlung dient dazu, einen ‚reinen Tisch‘ zu erzeugen, indem Unkräuter oder Aufwuchs von Zwischenfrüchten beseitigt werden. Diese Maßnahme wird auf 12,7 Prozent der Ackerflächen in Deutschland durchgeführt und hat besonders bei hohen Anteilen von Sommerfrüchten wie Mais oder Zuckerrüben in der Fruchtfolge eine wichtige Bedeutung. Als absolute Sondermaßnahme ist die Vorerntebehandlung anzusehen. Diese auch als Sikkation bezeichnete Anwendung wird lediglich auf 2,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche durchgeführt. Sie erfolgt, wo erforderlich, auf einzelnen Schlägen oder Teilflächen.

Kulturen haben großen Einfluss

Auch das Anbauprogramm entscheidet über die Höhe der Glyphosatapplikation. Winterraps und Zuckerrüben können als Treiber des Glyphosateinsatzes ausgemacht werden (siehe Grafik). Denn anders als bei übrigen Kulturen wird hier häufig die gesamte Anbaufläche behandelt, statt einem schlag- oder teilflächenspezifischen Einsatz. Weiterhin bestehen erhebliche Unterschiede bezüglich der Anwendungsmengen in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands. In den neuen Bundesländern wird in einem höheren Ausmaß die Stoppelanwendung durchgeführt – etwa doppelt so viel wie in den anderen Agrarregionen. Dies liegt zum einen im höheren Winterfrucht-Anteil in diesen Regionen begründet. Ein weiterer Grund, insbesondere in Thüringen und Sachsen, ist der Verzicht auf den Pflug auf erosionsgefährdeten Flächen. Ferner dient die Mulchsaat in Kombination mit dem Glyphosateinsatz zur Sicherung der Wasserführung in den Böden.

Einen höheren Anteil an Vorsaatbehandlungen weist die Region Nordwest auf. Er ist auf die größere Bedeutung von Sommerungen und Zwischenfrüchten in den Fruchtfolgen zurückzuführen. Insbesondere in milden Wintern dient der Glyphosateinsatz der Beseitigung des Zwischenfruchtaufwuchses vor der ersten Bodenbearbeitung im Frühjahr. Wo die Greening-Anforderungen durch Zwischenfrüchte erfüllt werden, ist daher von zunehmenden Frühjahrsbehandlungen vor dem Anbau von Sommerungen zu rechnen, sofern die Zwischenfrüchte nicht nach einem harten Winter erfroren sind.

In der gesellschaftlichen Diskussion wird oftmals unterstellt, dass mit steigender Betriebsgröße mehr Glyphosat eingesetzt wird. Die vorliegende Studie kann dieses nicht bestätigen.

Umfassendes Forschungsprojekt
Um Erkenntnisse über Muster und Höhe der Anwendung von Glyphosat auf deutschen Äckern zu gewinnen, wurde an der Fakultät für Agrarwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen im vergangenen Winter eine bundesweite Umfrage zum Einsatz von Glyphosat im deutschen Ackerbau durchgeführt. An dieser Umfrage haben mehr als 2000 Landwirte teilgenommen. Die Ergebnisse fließen in ein umfangreiches dreijähriges Forschungsprojekt ein. Im weiteren Verlauf der Umfrageauswertung werden die Göttinger Forscher den Glyphosateinsatz ökonomisch bewerten und daraus Empfehlungen für die Anwendung in der Praxis ableiten. (az)

Arbeitskraftbesatz entscheidend

Vielmehr ist die Arbeitskräfteausstattung eines Betriebs entscheidend für den Glyphosateinsatz. Klein- sowie Großbetriebe mit einem begrenzten Pool an landwirtschaftlich ausgebildeten Arbeitskräften setzen gleichermaßen auf Glyphosat, um Arbeitsspitzen zu bewältigen. Durch den in der Landwirtschaft vorherrschenden Fachkräftemangel könnte dieser Zusammenhang zwischen Ausstattung mit Arbeitskräften und Umfang der Glyphosatanwendung zukünftig noch verstärkt werden.

Wegen der zunehmenden Resistenzproblematik im Herbizidsektor wird Glyphosat momentan auch genutzt, um resistente Unkräuter oder Ungräser effizient zu bekämpfen. Dabei werden zumeist sehr zufriedenstellende Ergebnisse erzielt. Dieses hat dafür gesorgt, dass der Wirkstoff auch in Regionen mit geringen Anteilen der konservierenden Bodenbearbeitung verwendet wird. Aufgrund des weit verbreiteten Einsatzes von Glyphosat können jedoch auch in Deutschland Wirkungsverluste nicht ausgeschlossen werden. Deshalb sollte der Einsatz mit Bedacht vorgenommen werden.

Michael Schulte, Armin Wiese, Dr. Horst-Henning Steinmann, Prof. Dr. Ludwig Theuvsen, Universität Göttingen
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