Wochenrückblick: Schweinegrippe bleibt Thema

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Die von Mexiko ausgehende Grippewelle, die seit einer Woche Gesundheitsbehörden und die Bevölkerung beunruhigt, hat an den Agrarmärkten bisher wenig Spuren hinterlassen. Sie wird offiziell weiterhin als „Schweinegrippe“ bezeichnet. Internationale und nationale Tiergesundheitsorganisationen, Agrarbehörden und Agrarverbände hatten in dieser Woche mehrfach betont, dass der Begriff „Schweinegrippe“ irreführend sei, weil er auf eine Schweineerkrankung hindeutet. Dessen ungeachtet haben sich Bezeichnungen wie „Neue Grippe“ oder „Nordamerikanische Grippe“ bislang nicht durchsetzen lassen.

Bis heute ist das Krankheitsgeschehen auf Menschen beschränkt, hat sich aber international ausgeweitet. Aus Mexiko lagen gestern der Weltgesundheitsorganisation WHO 26 bestätigte Fälle vor. Sieben Menschen sind dort gestorben. Die USA meldete gestern 91 Krankheitsfälle mit einem Todesfall. Weiterhin gab es Grippemeldungen aus Kanada und Israel sowie in Europa aus Deutschland, Großbritannien, Österreich und Spanien. Wegen der Ausbreitung hat die WHO die Alarmstufe weltweit angehoben. Für die Bevölkerung in Deutschland sieht das zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) nach heutiger Einschätzung „nach wie vor keine allgemeine Gefährdung durch die Schweinegrippe“.

Die Agrarmärkte haben sich nach dem Schock vom Wochenanfang weitgehend erholt. Leichte Spuren zeigen allerdings die Schweineterminmärkte. Ausgeprägt ist der Rückgang der Notierungen in Chicago. Die europäischen RMX-Kurse zeigen ebenfalls leichte Schwäche. Zuletzt haben auch die Schweinepreise in Niedersachsen etwas nachgegeben. Dagegen haben die Notierungen für Getreide und Ölsaaten im Wochenverlauf alle Kursverluste wettgemacht. Vor allem die Sojabohnenkurse steigen und ziehen die anderen Notierungen mit nach oben.

Die Nervosität an den Agrarmärkten bleibt jedoch erhalten. Zum einen können sich Schweine doch noch infizieren. Zum anderen ist ein globaler Nachfragerückgang für Schweinefleisch nicht auszuschließen. Außerdem gibt es Überreaktionen. Ägypten etwa hat beschlossen, alle Schweine im Land töten zu lassen. Es gibt in dem überwiegend muslimischen Land zwar nicht viele Schweine, aber die Maßnahme sorgt auch für politischen Sprengstoff. Russland wiederum hat schon zu Wochenanfang Importverbote für Schweinefleisch aus einigen US-Bundesstaaten verhängt. Sie sollen bis Juni gelten. (db)

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