Dietrich Holler zur Lage an den Agrarmärkten
 
Zur Halbzeit im landwirtschaftlichen Wirtschaftsjahr 2009/10 und kurz vor Weihnachten lässt sich die Lage an den internationalen Agrarmärkten knapp zusammenfassen: viele Wünsche und wenig gute Gaben. Die frohe Botschaft des Aufschwungs ist bislang nicht angekommen. Der schleppende Handel und das mäßige Preisniveau im Getreidegeschäft machen einige eher betrübt als besinnlich. Der weiterhin relativ starke Euro erschwert den Export. Alleine Deutschland dürfte in diesem Wirtschaftsjahr wohl ein Viertel bis ein Drittel weniger Getreide ausführen als im Vorjahr. Die Ware ist da und keiner will sie so recht haben. Da kommt kaum Freude auf. Wünschen ist aber weiterhin erlaubt. Wer in diesem Jahr nicht bekommen hat, was er wollte, kann ja immer noch auf das neue Jahr hoffen.
 
Zu der leicht bitteren Seite dieser Hoffnung gehört, dass der eine oder andere sich den Aufschwung durch El Niño verspricht. Das von peruanischen Fischern erstmals vor rund 300 Jahren beschriebene Wetterphänomen tritt regelmäßig um die Weihnachtszeit auf und verdankt seinen Namen dem spanischen Wort für Christkind. Ob El Niño etwas mit dem vermeintlichen oder tatsächlichen Klimawandel zu tun hat, sei dahingestellt. Sicher ist: Während in einigen Teilen der Welt durch El Niño gewaltige Wolkenbrüche niedergehen, fehlen anderswo die Niederschläge komplett. Das lässt alle aufhorchen, die auf Wettermärkte spekulieren. So werden dann vielleicht wieder Wünsche nach mehr Bewegung an den Märkten wahr.

Wem das zu vage ist, dem bleibt statt der Wunschliste wie gewohnt der Blick auf die so genannten fundamentalen Daten. So ist neben großen Getreidebeständen mehr als genügend Raps vorhanden. Beim Verbrauch ist auf Grund der demnächst etwas höheren Beimischung für Biodiesel noch Luft nach oben. Frohlocken dürfte deswegen aber keiner der heimischen Erzeuger. Importierte Pflanzenöle haben sich während der vergangenen Jahre ihren festen Anteil am Markt für Biodieselrohstoffe erkämpft. Daran wird sich auch künftig trotz klarer Nachhaltigkeitskriterien wenig ändern.

Nach der Zeit des Wünschens rückt die Zeit des aktiven Handelns hoffentlich bald wieder näher. Für die Landwirte sollte das in jedem Fall bedeuten, einen Teil der kommenden Ernte frühzeitig zu vermarkten. Margenträume werden damit nicht unbedingt wahr, aber zumindest kann die Liquidität erneut gesichert werden. Und das ist deutlich mehr Wert, als erfolglos dem Stern eines selbst zu hoch gesetzten Schwellenpreises nachzulaufen.
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