Schneller züchten mit Genomeditierung? Noch ist dieser Limousin-Bulle das Ergebnis klassischer Methoden.
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Schneller züchten mit Genomeditierung? Noch ist dieser Limousin-Bulle das Ergebnis klassischer Methoden.

Es ist unbestritten: Mit den neuen Züchtungstechniken kommen Forscher sehr viel schneller voran. Methoden wie Crispr-Cas9 verändern die gewünschte Zielsequenz in unseren Genen treffsicherer. Im Gegensatz zur konventionellen Zucht ließe sich ein gewünschtes Merkmal innerhalb einer Generation in alle Zuchttiere einbringen. Anschließend kann mit reinerbigen Tieren eine Population aufgebaut werden. In der konventionellen Zucht dauert es mehr als zehn Generationen, um überhaupt sicherzustellen, dass ein großer Teil der Zuchttiere reinerbig für das gewünschte Merkmal ist.

Resistenzgene selber bauen

Vor allem bei der Resistenzzüchtung erhoffen sich Forscher große Fortschritte. Hier stoßen die klassischen Methoden an ihre Grenzen. Denn findet sich kein Resistenzgen in einer Spezies, bleibt der Züchter erfolglos. Mit Crispr-Cas9 könnten Wissenschaftler das gewünschte Resistenzgen selber bauen und direkt in die Zuchtlinien einbringen. Dennoch bleiben zahlreiche Herausforderungen. So allein bei der Frage, wie nachhaltig die hergestellte Resistenz ist. Schließlich kann ein Virus mutieren. Die Forschung muss noch einiges leisten, um die Mutationsrate bestimmter Viren zu prüfen.

Gleichzeitig steht die Frage im Raum, welche Risiken es gibt. Neben technischen Risiken, die zu unerwünschten Mutationen führen, könnten veränderte Gene auch in die Umwelt geraten, wenn beispielsweise ein modifizierter Fisch in die freie Wildbahn gerät.

Weniger kurative Eingriffe

Rinderzüchter argumentieren im Sinne des Tierwohls für die Genomeditierung. „Wir könnten zügig hornlose Rinder züchten, dann müsste der Landwirt nicht mehr kurativ eingreifen. Außerdem entfiele das Arbeitsrisiko“, so Dr Bianca Lind, Geschäftsführerin Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR). Geschehe dies auf konventionellem Wege, werde es mindestens 20 Jahre dauern, bis ein Großteil der Kälber hornlos geboren werde. Hoffnung setzt Lind auch in die Immunität gegenüber Erkrankungen, beispielsweise Tuberkulose. „Dann könnten wir einerseits vermeiden, dass das Tier leidet, und andererseits, dass Krankheiten auf den Mensch übertragen werden.“ Gleichzeitig schränkt sie jedoch ein, dass noch viel Forschungsarbeit nötig sei. Denn welches Gen für welches wichtige Zuchtmerkmal kodiere, sei häufig noch unbekannt.

GVO ja oder nein?

Auf die Frage, ob die neuen Züchtungstechniken gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Sinne des Gentechnikrechts erzeugen, fehlt die einfache Antwort. Denn obwohl eine genetische Veränderung erzeugt wird, lässt sie sich später nicht mehr nachweisen, ob diese natürlicherweise entstanden ist. Schließlich sind Mutationen nichts Ungewöhnliches. Das Gentechnikrecht reguliert nur das Einführen fremder, außerhalb des Organismus zubereiteter Gene. Ob ein Gen zufällig oder durch radioaktive Strahlung mutierte, ist seit jeher unreguliert. Wenn der Europäische Gerichtshof (EuGH), vermutlich im Jahr 2018, entscheidet, dass die neue Züchtungstechnik als Gentechnik reguliert wird, muss das Produkt zunächst zugelassen und anschließend gekennzeichnet werden. Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel hätte eine auffällige Markierung wohl kaum eine Chance, zuvor müsste der Verbraucher umdenken.

Die USA haben den Startschuss schon längst gegeben. Erste Kälber ohne Hornanlage wurden bereits geboren. Deren Erbgut ist mittels Genomeditierung verändert worden. (has)
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