Tönnies

Zeiten des Wachstums sind vorbei

Positive Signale sendet Deutschlands größter Schweineschlachter an seine Erzeuger. Das Jahr 2017 werde ein gutes für deutsche Schweineerzeuger, sagte Clemens Tönnies, Sprecher der Geschäftsführung des gleichnamigen Unternehmens. „Die Märkte für Schweinefleisch laufen gut“, so Tönnies heute auf einem Pressegespräch in Rheda-Wiedenbrück. Beim Preis sei nach oben hin noch Luft. 

20,4 Mio. Schweine hat die Tönnies-Unternehmensgruppe weltweit im Jahr 2016 geschlachtet. Das sind 400.000 oder 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg dabei allerdings nur geringfügig um 50 Mio. € auf 6,35 Mrd. €. Das Unternehmen spricht von einem schwierigen Marktumfeld.

Klasse statt Masse

In Deutschland sieht Tönnies „den wichtigsten Markt, den wir haben“. Jedoch sind seiner Meinung nach die Zeiten des starken Wachstums vorbei. So setzt das Unternehmen in Deutschland zunehmend auf Qualität. Dazu gehören die Investitionen in ein Vier-Phasen-Kühlsystem, die weitere Automatisierung der Abläufe in der Schlachtung und der Zerlegung sowie Investitionen in das Umwelt- und Energiemanagement.

Tönnies hat sich ein Schonprogramm verordnet. Schonend mit Tier, Mensch und Umwelt umgehen, lautet die Devise für den heimischen Markt. Dabei steht das Bedienen der Nachfrage nach vegetarischen Produkten – wie es andere Fleischverarbeiter machen - ausdrücklich nicht auf dem Programm. Tönnies sieht diesen Markt als bereits rückläufig an: „Der Verbraucher isst nicht lange das, was ihm nicht schmeckt“, erklärt Tönnies, der noch einmal betont, dass er sich als Sprecher der Geschäftsführung und Tönnies-Gesellschafter, aber nicht als Geschäftsführer äußert. Aus der reinen Geschäftsführung habe er sich zurück gezogen. Weiter wollte er sich allerdings nicht zu dem seit Jahren geführten Familienstreit um die Macht in Deutschlands größtem Fleischbetrieb äußern.
 

Russland viel versprechend

Potenzial wird vor allem vor allem in den Exportmärkten gesehen. Bereits jetzt gehen etwa 50 Prozent der produzierten Mengen ins Ausland. Darüber hinaus soll die Internationalisierung weiter vorangetrieben werden. In Russland komme die Schweineproduktion sehr gut voran, heißt es auf dem Pressegespräch. Allerdings wurden keine konkreten Zahlen genannt. Es soll einen russischen Vermarkter geben, der an einer Unternehmensbeteiligung interessiert sei. Auch werde über den Bau eines eigenen Fleischwerkes nachgedacht. Überrascht wurde das Unternehmen von der Sperrung des chinesischen Marktes für Schweinefleisch. Aber auch in diesem Punkt ist Tönnies guter Hoffnung. In ein bis zwei Wochen könnten die Lieferungen wieder aufgenommen werden. (kbo)
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