Report Saatgut Mais

Zellwände liefern kontinuierlich Energie

Viel Zellwandmaterial steckt in jedem Bissen.
-- , Foto: Birgit Lieske / pixelio.de
Viel Zellwandmaterial steckt in jedem Bissen.

Die Basis einer erfolgreichen Milchproduktion liegt nach wie vor im Grundfutter, da Futterkosten etwa 50 Prozent der gesamten Milcherzeugungskosten darstellen. Das wird gerade in Jahren mit geringen Milchpreisen wieder deutlich. Hier gilt es, die Betriebsabläufe zu optimieren und die Grundfutterleistung zu steigern. Die Betriebszweigauswertungen der verschiedenen Landeskontrollverbände zeigen in jedem Jahr, dass die erfolgreichsten Betriebe häufig einen hohen Maisanteil in der Ration und die geringsten Grundfutterkosten haben. Auch die Mais-Sortenwahl kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten.

Futteraufnahme begrenzt

Bei Hochleistungskühen ist besonders die Versorgung mit zucker- und stärkereichen Nährstoffen von großer Bedeutung, da Stärke eine Hauptquelle für die Energieversorgung der Kuh ist. Die Energie im Mais kommt abhängig vom Sortentyp anteilig aus der Stärke oder aus den Zellwänden, also aus Stängeln und Blättern. Während Stärke fast zu 100 Prozent verdaulich ist, schwankt die Verdaulichkeit der Zellwände je nach Sorte zwischen 50 Prozent und 70 Prozent. Durch die begrenzte Futteraufnahmefähigkeit der Kuh muss vor allem in maisbetonten Rationen darauf geachtet werden, dass die Zellwände des eingesetzten Maises möglichst hoch verdaulich sind. Denn als Faustzahl gilt: Jeder Bissen Mais, den die Kuh zu sich nimmt, besteht zu rund 65 Prozent aus Zellwänden.

Zellwände werden im Pansen verdaut, sind im Vergleich zu Stärke aber langsamer verdaulich. Während Zellwände bis zu 24 Stunden im Pansen verweilen, werden die Zellinhalte Stärke und Zucker schon zu einem Großteil innerhalb von wenigen Stunden abgebaut. Damit tragen die Zellwände dazu bei, dass der Kuh kontinuierlich Energie zur Verfügung steht, was den Metabolismus weniger belastet. Hohe Stärkegehalte in Maissilagen bringen sehr viel Energie, sind aber nur nachhaltig sinnvoll, wenn auch im entsprechenden Maße langsam zufließende Energie durch zum Beispiel die Zellwände von Grassilage vorhanden ist.

Futtermittelanalysen sollten zur Bestimmung der optimalen Ration neben dem Energie- und Stärkegehalt auch eine Angabe zur Gesamtverdaulichkeit und zur Verdaulichkeit der Zellwand enthalten. Eine Maissilage liefert umso mehr Energie, je höher die Gesamtverdaulichkeit der Silage ist. Das spiegelt sich im Parameter VOS für Verdauliche Organische Substanz oder auch ELOS für Enzymlösliche Organische Substanz wider.

Stay-Green hat Vorteile

Zellwände bestehen aus Hemicellulose, Cellulose und Lignin, die unter dem Begriff „Neutral Detergent Fibres“, kurz: NDF, zusammengeschlossen sind. Der Anteil und die Verteilung der einzelnen Zellwandbestandteile bestimmt die Verdaulichkeit der NDF. Maispflanzen von Sortentypen mit einem guten Stay-Green-Verhalten bleiben länger grün. Dadurch fällt die Verdaulichkeit der NDF langsamer ab.

Aufgrund von Sorten-, aber auch Jahresunterschieden und der Veränderung der Silage im Zeitablauf sind regelmäßige Futtermittelanalysen unerlässlich. Nur so kann eine ausgewogene Ration erstellt werden.

Simon Kröger, Deutsche Saatveredelung, Lippstadt
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