1

Autoindustrie bevorzugt zweite Generation – Marktreife in 10 bis 15 Jahren

Agrarzeitung Ernährungsdienst 12. Mai 2007; Von Axel Mönch, Brüssel

Der Streit um Alternativen zu den mineralischen Treibstoffen ist längst entbrannt. Die einen sollen den Regenwald bedrohen, andere eine negative Energiebilanz aufweisen. Um Ordnung in das Dickicht zu bringen, fordern die Autohersteller Zertifikate für Biotreibstoffe.

„Wir könnten uns vorstellen, dass nur noch zertifizierte Biotreibstoffe von der Mineralölsteuer befreit werden“, regte Hermann Meyer, Büroleiter der Volkswagen-Vertretung in Brüssel, kürzlich auf der „European Grain & Oilseed Convention“ an. Als Kriterien schlug Meyer in Brüssel die Konkurrenz eines Biotreibstoffs zu Nahrungsmitteln, seine Energiebilanz und seine Umweltverträglichkeit vor. Wenn es wirtschaftliche Anreize gebe, würden sich die besten Treibstoffe durchsetzen, erklärte der Autolobbyist. Die Fahrzeugindustrie bevorzuge Biokraftstoffe der zweiten Generation, die nach ihrer Einschätzung in fünf bis zehn Jahren Marktreife erlangten. Treibstoff aus Zellulose konkurriere im Gegensatz zu Weizen, Mais oder Raps nicht mit Lebensmitteln, argumentierte Meyer. Synthetische Kraftstoffe könnten zudem genau auf die Bedürfnisse der Autoindustrie zugeschnitten werden, böten also Qualitätsvorteile. Holzreste und Stroh stünden in der EU auch nicht unbegrenzt zur Verfügung, warf Arnd von Wissel, Präsident des Europäischen Ölmühlenverbandes Fediol, Brüssel, ein. Um die gewünschte Masse zusammenzubekommen, sei die EU auf Importe angewiesen, zum Beispiel aus der Ukraine. Die Zelluloseproduktion konkurriere letztendlich auch mit dem Anbau von Nahrungsmitteln um die Fläche, betonte von Wissel. BTL, ein Kraftstoff der zweiten Generation, stünde erst am Anfang der Entwicklung und sei zudem sehr teuer.

Bis zur Markteinführung von Biokraftstoffen der zweiten Generation rechnet Dr. Klaus-Dieter Schumacher, Toepfer International in Hamburg, noch mit 10 bis 15 Jahren. Bis dahin bestimmten Weizen und Mais den Rohstoffmarkt für Bioethanol. Schumacher warnte davor, den Preisanstieg auf den Getreidemärkten einzig und allein auf den Bedarf an Biotreibstoffen zurückzuführen. Das sei nicht der einzige Grund. Die hohen Preise hätten zudem den Vorteil, Anreiz zu einer verstärkten Getreideerzeugung zu geben und weitere Flächen für den Getreideanbau zu mobilisieren. Diese würden dringend gebraucht, um die Konkurrenz der Nahrungsmittel- und Treibstoffproduzenten um den Rohstoff zu entschärfen, erklärte Schumacher.

stats