Daphne Huber-Wagner zur Ölmühlenbranche

Wer wagt, gewinnt. Dies ist der Ansporn für die Verantwortlichen der Ölmühle Bunge, die nach zwei Jahren Bauzeit in dieser Woche mit einer neuen Presserei an den Start gehen. Schon für Herbst 2011 war das Comeback nach dem verheerenden Brand der Anlage vor zwei Jahren angekündigt worden. Der jetzt gewählte Zeitpunkt ist schwierig. Fast alle Ölmühlen stöhnen in Deutschland über Schlaglöhne, die keinesfalls kostendeckend sind. Überkapazitäten, hohe Preise für Energie und die Rapssaat sind die Gründe dafür. Doch Bunge steht mit seiner Entscheidung, im Südwesten ein verlässlicher Abnehmer von Raps und Lieferant für Öl und Schrot in der Region zu sein, zu seinem Wort. Das Unternehmen reiht sich nun wieder ein in das große Teilnehmerfeld im Lauf um die effizientesten Ölmühlen.
 
Der Druck auf die Margen bei den Ölmühlen in Deutschland ist immens. Erste Anzeichen von Schwäche zeigt bereits das ADM-Werk in Straubing, wo bis Juni kurzgearbeitet wird. Im Bundesdurchschnitt liegt die Auslastung der Anlagen bei knapp 80 Prozent. Die Situation wiederholt sich. Denn schon in der Saison 2010/11 mussten sich deutsche Ölmühlen nach der Saat strecken, und wie es aussieht, wird diese Rangelei andauern. Auch die Ölmühlen in Rostock und Magdeburg sparen Kräfte und wollen erst zur neuen Ernte ihre neu aufgebauten Kapazitäten einsetzen. Der Handel verläuft derzeit ruhig und mit fast 465 €/t ist Raps teuer. Doch dürften weiteren Preisfantasien Grenzen gesetzt sein. Lediglich der Mai-Termin an der Matif scheint noch einen Weg nach oben zu zeigen. Hinzu kommen die Lieferungen aus Drittländern. Denn für Importeure ist es äußerst attraktiv, zum aktuellen Kursniveau Ware nach Deutschland zu liefern. Nicht zu verachten sind Einfuhren von Raps mit Zertifikat aus Australien, die ab März verstärkt in die EU und Deutschland drücken. Mit knapp 250.000 t Ware könnte Down Under damit zur Entspannung der deutschen Rapsbilanz beitragen. Getrieben von positiven politischen Signalen zum Einsatz von Biodiesel boomte der Aufbau von neuen Kapazitäten. Nun ist die Euphorie einer gewissen Ernüchterung gewichen. Wenn alle Ölmühlen unter Volllast laufen, können in Deutschland 10 Mio.t Raps verarbeitet werden. Rund die Hälfte davon muss deshalb im neuen Wirtschaftsjahr aus EU- und Drittländern eingeführt werden. Die Hiobsbotschaften von Auswinterungsschäden in Deutschland sind noch nicht bestätigt, in der Ukraine dagegen sind sie Gewissheit. Dort könnten die Landwirte im Frühjahr jedoch nicht nur auf Mais, sondern auch auf Sonnenblumen ausweichen.

Der Zieleinlauf wird spannend, der Verdrängungswettbewerb lässt keine Verschnaufpausen zu. Im Teilnehmerfeld muss jeder mit den gleichen äußeren Bedingungen wie hohen Produktionskosten sowie günstigen Palmöleinfuhren aus Indonesien fertig werden. Neben den ersten Aussetzern der großen Läufer sind es die dezentralen Ölmühlen, denen die Luft vorzeitig ausgeht. Sie können an den Streckenposten, wo die neuen modernen Extraktionsanlagen wie in Mannheim mit einer Ölausbeute von fast 99 Prozent stehen, nicht mehr mithalten. Am Ende zeigt das Zielfoto, wer die beste Kondition hat.
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