Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (rechts) beschert den Unternehmen niedrige Zinsen.
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Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (rechts) beschert den Unternehmen niedrige Zinsen.

Im Schnitt nur 1,74 Prozent zahlen Unternehmen in Deutschland für Darlehen mit einer Zinsbindung von fünf Jahren, hat die Unternehmensberatung Barkow Consulting berechnet. Damit wurde das letzte Tief von 1,79 Prozent im April 2015 nochmals unterschritten. „Wer die Möglichkeit hat, sollte nun investieren“, rät Geschäftsführer Peter Barkow. Denn überschüssige Liquidität dauerhaft auf dem Tagesgeldkonto zu parken oder gar höhere Risiken für geringfügig mehr Ertrag einzugehen, sei keine Lösung.

EZB könnte Geldpolitik nochmals lockern
Bei ihrer letzten Sitzung im Januar hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen und es etwa als Kredit an Unternehmen weiterreichen, bei den historisch niedrigen 0,05 Prozent belassen. EZB-Präsident Mario Draghi signalisierte aber in dieser Woche seine Bereitschaft, die Geldpolitik im März weiter zu lockern. Dann stünden neue Inflations- und Konjunkturprognosen der Notenbank-Experten zur Verfügung.
Der Notenbankchef fürchtet, dass Europa in eine Deflation abdriften könnte. Denn die Teuerung im Währungsraum ist weit vom Inflationsziel der EZB entfernt. Während sie als optimalen Wert mittelfristig knapp unter 2 Prozent Inflation anstrebt, waren im Januar die Preise wegen des Ölpreisverfalls nur um 0,4 Prozent gestiegen. (sp)
In der Agrarbranche können derzeit allerdings nur solche Betriebe das niedrige Zinsniveau nutzen, die zukunftsfähig aufgestellt sind und die die Durststrecke aufgrund des niedrigen Milch- und Schweinepreisniveaus gut aushalten. Wer ums Überleben bangt oder wen eine angespannte Liquiditätslage plagt, der sollte sich lieber zurückhalten.

„Das Zinsniveau ist in der Investitionsrechnung drittrangig“, sagte Volker Schuldt, Geschäftsführer von Schuldt Agro Concept, im Gespräch mit der agrarzeitung (az). Denn auch wenn sich Investitionen aufgrund der günstigen Zinslage etwas leichter rechnen, sollten Unternehmen aufgrund der angespannten Preissituation neue Engagements besonders intensiv prüfen, rät Schuldt.

Wen die niedrigen Preise allerdings nicht in die Bredouille bringen, der kann diese günstige Gelegenheit für sich nutzen. Laut Schuldt muss dafür vor allem eine Voraussetzung erfüllt sein: Der Betrieb muss in den letzten Jahren nachhaltig gute Produktionsergebnisse erzielt haben. „Im Branchenvergleich sollte solch ein Betrieb nachhaltig im oberen Drittel liegen“, so Schuldt. Darüber hinaus seien die Produktionskennziffern wichtige Indizien für neue Projekte. Ist der Eigenkapitalanteil solide und die Investition gut geplant, können sich Unternehmen ebenfalls die tiefen Zinsen zunutze machen. (sp)

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