Tierwohl statt Menschenwohl

Zoff zwischen IG BAU und Arbeitgebern

Die Verhandlungen der Agrargewerkschaft IG BAU mit dem Gesamtverband der Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) über eine neue Bundesempfehlung zur Lohngestaltung sind kurzfristig geplatzt. Grund für die Auseinandersetzung war eine Pressemitteilung der Gewerkschaft im Vorfeld der Gespräche. Darin wirft die IG BAU den Arbeitgebern innerhalb der Land- und Forstwirtschaft vor, sich „lediglich eine Verbesserung des Tierwohls auf die Fahnen zu schreiben und die Menschen schlecht zu behandeln.“ Daraufhin weigerte der GLFA sich, Gespräche mit der Gewerkschaft aufzunehmen.

Pauschale Diffamierung

Wer Arbeitgeber „pauschal diffamiere“ und in einer Pressemeldung kurz vor Behandlungsbeginn behaupte, sie würden zwar das Tierwohl beachten aber ihre Arbeitnehmer schlecht behandeln, sei kein ernstzunehmender Gesprächspartner, so der GLFA. „Das ist zutiefst ehrverletzend“, kommentiert Arbeitgeberpräsident Martin Empl den Vorgang. Der GLFA will in seiner Mitgliederversammlung im Januar das weitere Vorgehen besprechen. Bis dahin gilt der bisherige Tarifvertrag für Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft.

Kräftiges Lohnplus gefordert

Die in der Bundesempfehlung Landwirtschaft geregelten Lohnvorschläge werden in der Regel in den Tarifverträgen der Länder übernommen. Die IG BAU hatte im Vorfeld der eigentlich für Dienstag geplanten Gespräche ein Lohnerhöhung von 5,9 Prozent aufgestellt. Weitere Themen, die die Gewerkschaft in die Verhandlungen bringen wollte, waren Angebote für betriebliche Gesundheitsversorge, lebenslanges Lernen und die Sicherung einer auskömmlichen Rente.

Die Einkommen innerhalb der Landwirtschaft liegen knapp ein Drittel unterhalb der Niveaus in anderen Wirtschaftszweigen. Auch deshalb habe die Branche zunehmend Probleme, junge Nachwuchskräfte zu finden, so die IG BAU.

Der GLFA setzt sich aus den Arbeitgeberverbänden der Land- und Forstwirtschaft in den einzelnen Bundesländern sowie einzelner Wirtschaftszweige innerhalb der Branchen zusammen. (pio)
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