Report Agrarmärkte 2015/16

Zuckerberg überschattet neue Kampagne


Kein Zuckerschlecken: Die aktuelle Marktentwicklung.
-- , Foto: BirgitH / pixelio.de
Kein Zuckerschlecken: Die aktuelle Marktentwicklung.

Die Freude über eine Rekordmenge von knapp 4,5 Mio.t Zucker in der Kampagne 2014 währte nur kurz. Denn die gewaltige Erzeugung trifft auf einen gesättigten Markt und drastisch gesunkene Zuckerpreise in der EU. Die Hersteller schreiben im Zuckergeschäft rote Zahlen, der Exporthandel liegt am Boden. Wenig Impulse kommen vom Weltzuckermarkt trotz eines Verbrauchszuwachses. Den Unternehmen entgingen bei der Vermarktung von Zucker im Wirtschaftsjahr 2014/15 (März/Februar) bis zu 200€/t, was zu deutlichen Rücknahmen bei den Quotenrübenpreisen führte. „Wenn wir die Auswirkungen der Markteingriffe, die die EU-Kommission durch die Öffnung für Importe aus Drittstaaten vor zwei Jahren ausgelöst hatte, vorher gewusst hätten, wäre uns ein früheres Ende der Zuckermarktordnung als 2017 lieber gewesen“, sagte vor Kurzem ein Marktteilnehmer.

Rübenanbau eingeschränkt

Mit der Rekordernte von 2014 verbunden ist ein deutlicher Anstieg des Angebots am Nichtquotenzucker, der zur Verwendung in der Lebensmittelproduktion nicht eingesetzt werden darf. Diese großen Mengen an Übertragungszucker liegen wie Blei in den Lägern und warten auf eine Vermarktung im laufenden Wirtschaftsjahr 2015/16. Entsprechend wurde im Frühjahr 2015 die Rübenanbaufläche eingeschränkt. Im Bundesdurchschnitt haben Landwirte rund 16 Prozent weniger Rüben ausgesät als im Vorjahr. Damit liegt Deutschland oberhalb des EU-Durchschnitts von 12 Prozent. In Polen ging die Anbaufläche bis zu 30 Prozent zurück. Erst wenn die Umwandlung von Nichtquoten- in Quotenzucker erfolgt ist, könnte sich im Frühjahr 2016 wieder eine durchschnittliche Anbaufläche von 340000 ha in Deutschland ergeben.

Mit diesen temporären Marktverwerfungen ist bis zum Quotenende im Oktober 2017 und darüber hinaus immer wieder zu rechnen. Noch gilt in der EU ein wenn jetzt auch niedriger Mindestpreis für Zuckerrüben. Einen Einblick in den Preisrutsch geben die monatlichen EU-Ermittlungen für losen Quotenzucker. Der Basispreis spiegelt mit zeitlicher Verzögerung alle von den Zuckerunternehmen getätigten Geschäfte im In- und Ausland wider. Im März 2015 lag er bei rund 400€/t, vor einem Jahr waren es 605€/t. Auch fehlt der Rückenwind vom Weltmarkt. Die Londoner Weißzuckernotierungen Nummer 5 reduzieren sich Ende Mai auf umgerechnet 347€/t. 
 

Weniger neue Plantagen

Global steigt der Zuckerbedarf moderat, die Produktion kann durchaus mithalten. Das wichtige Anbauland Brasilien steht vor einer großen Ernte, doch gibt es Verschiebungen in der Verwendung. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet in seinem aktuellen Ausblick für 2015/16 in Brasilien eine Erzeugung von 36 Mio.t Zucker. Davon dürften 43 Prozent für die Lebensmittelwirtschaft reserviert sein. Der Rest fließt in die Bioethanolindustrie – nicht zuletzt, da das Beimischungsmandat um 2 auf 27 Prozent gestiegen ist. Aber auch die Wiederaufforstung der Zuckerplantagen ist ins Stocken geraten. Viele Farmer verzichten zugunsten des Anbaus von Weizen und Soja auf eine kostenintensive Wiederaufforstung der Zuckerrohrplantagen. (da)
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