Zuckermarkt spaltet Europäische Union

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In einem gemeinsamen Brief an die EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel wehren sich zehn Eu-Mitgliedstaaten gegen die geplanten Preissenkungen am Zuckermarkt . Ungarn, Finnland, Irland, Lettland, Litauen, Griechenland, Italien, Slowenien, Spanien und Portugal, die den Brief gestern auf dem Agrarministerrat in Brüssel übergaben, sind sich einig: Sie wollen auf keinen Fall, dass durch eine Reform der Rübenanbau in ihrem Gebiet zurückgeht. Länder wie Frankreich und Deutschland mit ihren hohen Zuckerüberschüssen und einer großen B-Quote sollen hauptsächlich bei der Quotenkürzung herangezogen werden.

Deutschland, Schweden, Dänemark und das Vereinigte Königreich stellten sich auf dem Agrarministerrat den Reformgegnern entgegen. Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast sprach sich für mehr Wettbewerb im Zuckersektor aus. Außerdem dürfe eine Reform den Agrarhaushalt nicht zusätzlich belasten. Das könne möglicherweise durch geringere Preisausgleichszahlungen erreicht werden, regte Künast an.

Die neue EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel tat sich an ihrem ersten Arbeitstag in Brüssel schwer, eine Position zwischen den gespalteten EU-Mitgliedstaaten zu beziehen. Sie wolle im Mai oder Juni 2005 einen möglichst ausgeglichenen Vorschlag vorlegen, kündigte Fischer Boel an. Preissenkungen und eine größere Marktorientierung hält Fischer Boel aber für notwendig. (Mö)

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