Zuckerwirtschaft hält Reformpläne für überzogen

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Der jetzt verabschiedete Vorschlag der EU-Kommission zur Reform des europäischen Zuckermarktes ist in dieser Form und Dimension nach Auffassung der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) nicht akzeptabel. "Mit einer Preispolitik, die in der Realität auf eine Reduzierung der Rübenpreise um mehr als die Hälfte hinausläuft, schüttet Brüssel das Kind mit dem Bade aus", erklärte der Vorsitzende der WVZ, Dr. Hans-Jörg Gebhard, Nicht verhindert werden mit dieser Preissenkung die auch entwicklungspolitisch unerwünschten Dreiecksgeschäfte. Am meisten werde Brasilien davon profitieren. Der brasilianische Landwirtschaftsminister habe angekündigt, dass sein Land die Ausfuhren auf den Weltmarkt weiter erhöhen werde, um damit die durch die künftig deutlich eingeschränkten Exporte aus der EU frei werdenden Märkte zu übernehmen.

Massive Kritik übt die WVZ an der vorgeschlagenen Abschaffung der Intervention. Damit entziehe sich die Politik ihrer Verantwortung für die Konsequenzen der von ihr eingegangenen Freihandelsabkommen. Grundsätzlich offen zeigt sich die deutsche Zuckerwirtschaft für eine Laufzeit der neuen Marktregelung bis 2015 und den vorgeschlagenen Strukturfonds.

Der Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer e.V. (DNZ) befürchtet mit dem Legislativvorschlag der EU hohe Einkommensverluste für die norddeutschen Rübenanbauer und die Beschleunigung des Strukturwandels in Landwirtschaft und Zuckerindustrie. Nach Einschätzung des DNZ haben die norddeutschen Zuckerrübenerzeuger Umsatzeinbußen von rund 1.000 EUR/ha zu erwarten, wenn der Kommissionsvorschlag vom Ministerrat unverändert angenommen werden sollte. "Wir sind enttäuscht von der Kahlschlagpolitik aus Brüssel für unseren Sektor!", sagte der Vorsitzende des DNZ, Gerhard Borchert. Der DNZ erkenne die Notwendigkeit für Reformen am bestehenden System, jedoch müssten auch Perspektiven aufgezeigt werden, die einen geordneten Übergang auf das neue System ermöglichen. (da)

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