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"Der eingeleitete Paradigmenwechsel in der EU-Agrarpolitik wird die Thüringer Landwirtschaft und die Zukunft des Agrarstandortes Thüringen maßgeblich beeinflussen. Einerseits erhalten die Betriebe größeren Freiraum zur Marktorientierung, andererseits müssen sie mit einem zunehmenden Anpassungsdruck rechnen. Dieser Systemwechsel wiegt bei der gegenwärtig schon schwierigen wirtschaftlichen Situation der Betriebe besonders schwer", wird Dr. Volker Sklenar, Thüringer Landwirtschaftsminister, in einer Pressemitteilung seines Ministeriums zitiert. Die Jahre 2002 und 2003 seien durch relativ niedrige Flächenerträge und einen dramatischen Preisverfall bei Milch und Schweinefleisch gekennzeichnet, so Sklenar in der vorigen Woche anlässlich der Jahrestagung des Verbandes Deutscher Landwirte Thüringen e.V. in Mühlberg. Die Folge sei ein deutlicher Rückgang der Einkommen in den meisten Rechts- und Betriebsformen. Die jetzt vorliegenden Abschlüsse des Wirtschaftsjahres 2002/03 zeigten eine Verringerung der Einkommen um 20 Prozent. Die Abschlüsse für das Wirtschaftsjahr 2003/04 würden einen weiteren Rückgang nachweisen, da erst dann die Auswirkungen der trockenheitsbedingten Ausfälle der Ernte 2003 sichtbar werden. Aktuelle Entwicklungen wie die EU-Osterweiterung, die EU-Finanzplanung nach 2006 und natürlich die nationale Umsetzung der EU-Agrarreform bestimmten zusätzlich die agrarpolitische Diskussion.

Bei seinen Ausführungen zur nationalen Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik sei der Minister insbesondere auf die Reformelemente Entkoppelung, Cross Compliance und Milch eingegangen. Zur Umsetzung in Deutschland werde ein Kombinationsmodell mit einer regionalen und einer betriebsindividuellen Komponente kommen, so Sklenar. Alle Direktzahlungen einschließlich der Milchprämie würden ab 2005 entkoppelt und als regionale Zahlungsansprüche je ha für Acker- und Grünland oder betriebsindividuelle Zahlungsansprüche gewährt. Bei einem Prämienplafond von rund 280 Mio. EUR in Thüringen entspreche das im Jahr 2005 etwa einer Ackerlandprämie in Höhe von etwa 345 EUR/ha und einer Grünlandprämie von etwa 67 EUR/ha. Die betriebsindividuell zugewiesenen Prämienrechte würden beginnend ab 2007 schrittweise abgeschmolzen. Ziel des Gesetzentwurfes der Bundesregierung sei eine regional einheitliche Flächenprämie je ha landwirtschaftliche Fläche im Jahr 2012, die sich in Thüringen auf maximal ungefähr 350 EUR/ha landwirtschaftliche Fläche belaufen werde. (ED)

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