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Dietrich Holler zum Agrarmarkt 2009

Es wird eng. So richtig eng. Im Agrarhandel ist die Stimmung alles andere als rosig. Nicht wenige Händler, namentlich private, befinden sich in einer Situation, die vom Brettspiel her bekannt ist: Zwickmühle. Wer gegen Ende des Spiels in dieser Lage ist, weiß, dass er sich bewegen muss. Und er weiß, dass er nur verlieren kann, wenn er sich, respektive seine Figuren, bewegt.

Die Zwickmühle der Händler ist rasch beschrieben: Zur Ernte 2008 zu teuer eingekauft und dann schmiert auch noch das Düngergeschäft im letzten Quartal des vergangenen Jahres ab. Jede Menge teurer Ware in den Büchern oder im Lager und keiner will sie haben – zumindest zu dem Preis, zu dem sie gekauft wurde. Im Gegensatz zum Spiel mit den Steinen auf dem Brett geht es für einige Händler um mehr. Die Existenz ist gefährdet. Der private Handel steht teilweise mit dem Rücken an der Wand. Auch für die eine oder andere Genossenschaft wird es schwierig.

Und die Landwirte? Der Handel habe ihnen nicht, wie sonst im Herbst, die Ernte im großen Stil abgekauft, beklagte Gerd Sonnleitner vor wenigen Tagen. Es hätten die Kredite dafür gefehlt, glaubt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Das klingt gut, aber die Zahlen sprechen dagegen. Von Juli bis Oktober 2008 haben die Landwirte laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mehr Getreide verkauft als im Vorjahreszeitraum. Angesichts der größeren Erntemenge ist das nicht ungewöhnlich. Was Sonnleitner nicht bedenkt: Das Problem war nicht die anteilig verkaufte Menge, sondern der niedrige Preis. Dass spekulatives Kapital aus den Agrarmärkten gezogen wurde, spielte dabei sicher eine Rolle. Und eine Baisse mit Krediten zu überbrücken war schon mal leichter als derzeit.

Dem Agrarhandel jedoch vorzuwerfen, er habe nicht ausreichende Ware gekauft, ist Unfug: Erst wollten die Erzeuger nicht verkaufen und irgendwann wollte der Handel nicht mehr kaufen. Unterschiedliche Preisvorstellungen und große Mengen sind und waren Realitäten, an denen keiner vorbeikommt – auch nicht in diesem Jahr: Spätestens wenn die ersten Ernteschätzungen nach oben tendieren und die Preise in Folge niedrig bleiben, dürften der Insolvenz der bayerischen Hugo Hack GmbH weitere Pleiten im Agrarhandel folgen. Selbst mit einer durchschnittlichen Ernte und mittleren Preisen kommt so mancher Händler 2009 wohl nicht über die Runden. Der Druck, endlich wieder Profit machen zu müssen, ist zu hoch. So zynisch es klingt: Es gibt Händler, die eine Missernte sehr gut gebrauchen könnten. Für den Agrarhandel wird 2009 vermutlich eine neue Konsolidierungsrunde eingeläutet.

Für Erzeuger wäre ein weiteres Jahr mit niedrigen Preisen zwar hart. Doch die Landwirte planen in mehrjährigen Zyklen: Große Investitionen lassen sich auf bessere Zeiten verschieben. Damit lässt sich eine Zwickmühle vorübergehend vermeiden.

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