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Der Einfluss Chinas am Weltmarkt für Agrarprodukte bleibt auch in Zukunft aufgrund der enormen Nachfrage nach Getreide und Ölsaaten enorm. Zu den wichtigsten Handelspartnern für die Volksrepublik zählen die EU, USA und Asien, wobei der Handel mit Asien die größten Wachstumsraten verzeichnet.

Im globalen Ranking der Erzeugerländer nimmt China stets eine vordere Position ein. So ist das Land der weltweit größte Reisproduzent vor Indien. Bei Mais, Weizen und Raps ist es der zweitgrößte Erzeuger nach den USA, der EU und Kanada. Die Anbauflächen für diese Kulturen wurden in den vergangenen Jahren schrittweise erhöht. Lediglich bei der Sojaproduktion erreicht China nur Rang 4 mit großem Abstand zu den USA, Brasilien und Argentinien.

Fleischverbrauch pro Kopf
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Fleischverbrauch pro Kopf


Aufgrund des zunehmenden Fleischverzehrs im Lande ist der Sojabedarf sehr hoch. Der Verbrauch wird auf rund 86 Mio. t geschätzt, Chinas Sojaproduktion auf nur rund 12 Mio. t. Der Importbedarf an Sojabohnen wird vom USDA auf 74 (Vorjahr: 69) Mio. t im Wirtschaftsjahr 2014/15 veranschlagt. Im Zeitraum Januar bis Oktober beliefen sich die Einfuhren schon auf 56,8 Mio. t, davon stammt der Löwenanteil mit 31,3 Mio. t aus Brasilien, gefolgt von den USA mit 17,6 Mio. t und Argentinien mit 5,3 Mio. t. Auch Rapssaat wird zunehmend importiert, rund 4,1 (2,6) Mio. t sollen es in diesem Wirtschaftsjahr sein, wobei der größte Anteil aus Kanada stammt. An Raps produziert China 14,7 Mio. t mit leicht steigender Tendenz.

Bei Mais, Weizen und Gerste sind die Importvolumina gemessen an der Produktionsmenge dagegen eher überschaubar. Chinas eigene Weizenproduktion beläuft sich auf 126,0 (122) Mio. t, lediglich 1,7 Mio. t werden in diesem Wirtschaftsjahr importiert. Dabei handelt es sich weniger um Mahlweizen als um Futterweizen, da der Bedarf an Futtergetreide aufgrund der rasant wachsenden Veredelungswirtschaft in China hoch ist. Der Importbedarf bei Gerste von 4,5 Mio. t macht die Volkswirtschaft zur Nr. 2 der globalen Gerstenimporteure nach Saudi-Arabien mit 7,5 Mio. t.

Ukrainischer Mais wird beliebter

An Mais produziert China 214 Mio. t. Die Importe taxiert das USDA für die laufende Kampagne auf 2,5 Mio. t. Bisher stammten die Einfuhren fast zu 100 Prozent aus den USA. Im laufenden Kalenderjahr zeichnet sich eine Verschiebung zugunsten der Ukraine ab. Von der Gesamteinfuhrmenge kamen nach Informationen der chinesischen Zollbehörden von 1,62 Mio. t im Zeitraum Januar bis September lediglich knapp 60 Prozent aus den USA. 25 Prozent entfielen auf die Ukraine, was fast einer Vervierfachung der Handelsmenge im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Der inländische Maispreis wird von der chinesischen Regierung künstlich hochgehalten, um zum einen die heimischen Kleinbauern zu subventionieren. Zum anderen sollen die Mischfutterhersteller durch strenge Richtlinien hinsichtlich gentechnisch verändertem Mais abgehalten werden, günstige Ware vom Weltmarkt in großen Mengen zu importieren. Diese Subventionspolitik hat jedoch auch einen stetigen Rückgang der Sojaproduktion in den vergangenen Jahren zur Folge.

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Einen aktuellen Marktbericht über China zu schreiben, scheint angesichts der Marktposition der Volkswirtschaft und auch der Größe des Landes ein Leichtes zu sein. Bei genauer Betrachtungsweise gestaltet sich diese Aufgabe jedoch als deutlich schwieriger. Neutrale Informationen bekommt man faktisch nur vereinzelt. Offen zugänglich ist hier nur das, was die chinesische Regierung bereitwillig zur Verfügung stellt. Dies zeigt sich auch an der Tatsache, dass selbst das US-Agrarministerium USDA mehrheitlich lediglich die publizierten Zahlen Chinas in seine Bilanzen übernimmt. (az)


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