az-Länderserie Indien

Zwischen Subsistenz und Weltmarktführung


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Das Land ist inzwischen global ein wichtiger Handelspartner bei Agrarprodukten geworden. Auch die Produktivität in der Landwirtschaft ist deutlich gewachsen. Allerdings ist die Agrarstruktur extrem zersplittert, die Bodenpreise steigen exorbitant und die Infrastruktur ist veraltet. Die Regierung unterstützt die Landwirte mit vielerlei Subventionen. Aber die Versorgung der stetig wachsenden Bevölkerung mit Nahrungsmitteln ist damit keineswegs gesichert. Mit einem milliardenschweren Programm zur Nahrungsmittelumverteilung kauft die Regierung beispielsweise Getreide zu Mindestpreisen von den Landwirten auf, um bedürftigen Menschen Nahrungsmittel zu vergünstigten Preisen anzubieten. Diese Politik wird jedoch seitens der Welthandelsorganisation kritisch gesehen. Indien ist ein Land der Extreme, das noch viele Probleme zu lösen hat.


Indien ist als siebtgrößter Flächenstaat der Welt geprägt von Gegensätzen. Auf der einen Seiten zählt das Land bei vielen Agrarprodukten wie Milch, Reis, und Weizen zu den größten Produzenten der Welt und tritt als Exporteur auf; auf der anderen Seite leben fast 250 Millionen Einwohner in bitterer Armut. Dabei sind die Bedeutung und die Produktivität in der Landwirtschaft als wichtigem Wirtschaftszweig seit der grünen Revolution Mitte der 1960 Jahre stetig gewachsen. Die Bodenqualität ist gut und ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche kann mehr als einmal pro Jahr beerntet werden.

Doch die Agrarstruktur ist zersplittert und Subsistenz die vorherrschende Wirtschaftsform. Im Jahr 2011 wurden in Indien 118,6 Millionen Betriebe gezählt. Nur rund 7 Prozent der Landwirte bewirtschaften aber mehr als 4 ha. Zudem nimmt die durchschnittliche Betriebsgröße aufgrund der Erbteilung immer weiter ab. Zwar werden die Landwirte staatlich unterstützt mit Subventionen für den Betriebsmitteleinkauf oder für Strom. Aber es gibt auch genügend Probleme wie zum Beispiel die Bodendegradation, die Überdüngung, Umweltverschmutzung durch Schadstoffeinträge der Industrie und auch sinkende Grundwasserspiegel durch die Bewässerung von einem Drittel der Agrarflächen.

Auch unerwartete Witterungseinflüsse wie Hagel und Regen machen den Landwirten zu schaffen. Hinzu kommen mangelhafte Lager- und Kühlmöglichkeiten, die zu hohen Verlusten bei Agrarprodukten führen, sowie eine chronisch überlastete und veraltete Infrastruktur im Land. Darüber hinaus fehlt den Landwirten oft der Marktzugang, weil es kein organisiertes Landhandelswesen gibt, sowie der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten.

In der Fleischproduktion setzt Indien vor allem auf Geflügel und Rindfleisch. Mit etwa 2 Mio. t zählt Indien mittlerweile zu den größten Rindfleischexporteuren weltweit. Das Fleisch stammt dabei offiziell aber nur von männlichen Büffeln, da Kühe in der hinduistischen Religion als heilig gelten. Das Rindfleischgeschäft wird daher von Indern muslimischen Glaubens betrieben. Schweinefleisch spielt dagegen aufgrund religiöser Ernährungsvorschriften keine Rolle. Viel wichtiger für die Ernährung der Bevölkerung ist Geflügelfleisch. Die Produktion verbuchte in den vergangenen Jahren kräftige Zuwächse. Heute ist Indien Selbstversorger.

Bei Milch ist Indien zudem der global größte Produzent. In den vergangenen Jahren ist die Produktion stetig gestiegen. Im Jahr 2014 wurden mehr als 140 Mio.t Milch erzeugt, die weitgehend im Land konsumiert werden. (AW)

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar
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