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Wirtschaftlich haben das Erdbeben, der Tsunami und die Katastrophe im Kernkraftwerk von Fukushima 2011 das Land schwer gebeutelt. Die Folgen sind noch spürbar, landwirtschaftliche Produkte aus dieser Region sind nach wie vor unverkäuflich. Die wichtigsten Agrarprodukte des Landes sind Gemüse, Milch und Reis sowie Fisch. Die heimische Produktion kann den Bedarf bei einer Vielzahl an Rohstoffen aber nicht decken. Japans Landwirtschaft ist durch ineffiziente Strukturen und Überalterung geprägt.


Im Land der aufgehenden Sonne – wie der Landesname interpretiert wird – leben mehr als 90 Prozent der Bevölkerung in den Städten, vorwiegend auf den vier Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu. Nur knapp 3 Prozent der Japaner arbeiten in der Landwirtschaft. Da die Geografie des Landes vor allem durch Gebirge bestimmt wird, ist die landwirtschaftliche Nutzfläche beschränkt. Aber nahezu alle Flächen, die für Ackerbau geeignet sind, werden auch genutzt.

Die dominierende Ackerkultur ist Reis. Japan nimmt Rang 10 der wichtigsten globalen Produzenten ein. Hierbei denkt man in erster Linie an die traditionelle Terrassenwirtschaft, wobei längst in flachen Regionen ein hoher Mechanisierungsgrad Standard ist. Die Japaner sind jedoch sehr traditionsbewusst und fühlen sich daher der althergebrachten Bewirtschaftungsweise emotional stark verbunden. So gibt es vielerorts Projekte, bei denen mehrere Städter gemeinsam eine Terrasse von einem Landwirt pachten und zusammen mit diesem bewirtschaften. Die Agrarwirtschaft ist als Folge der Landreform nach dem Zweiten Weltkrieg klein strukturiert. Von den rund 1,4 Mio. landwirtschaftlichen Betrieben in Japan sind nur ein Drittel Haupterwerbsbetriebe. Der Rest wirtschaftet im Nebenerwerb auf Flächen kleiner als 3 ha. Ein großes Problem der japanischen Agrarwirtschaft ist auch die Überalterung. Knapp zwei Drittel der Beschäftigten in der Landwirtschaft sind älter als 65 Jahre. Die Agrarhandelsstrukturen werden vor allem von Genossenschaften getragen. Seit 2005 gibt es auch eine genossenschaftliche Bank.

Grundnahrungsmittel Reis: Von vielen Kleinbauern wird die traditionelle Terrassenbewirtschaftung gepflegt.
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Grundnahrungsmittel Reis: Von vielen Kleinbauern wird die traditionelle Terrassenbewirtschaftung gepflegt.
Aber auch in Japan nimmt die Zahl der Betriebe ab. Die Regierung versucht mit hohen Subventionen gegenzusteuern. 33,5 Mrd. US-$ flossen laut OECD allein 2015 in Japans Agrarwirtschaft. Damit liegt das Land weltweit auf Rang 4 hinter der EU, den USA und Indonesien. Das meiste Geld fließt vor allem an die Reisbauern, um zumindest sich bei diesem Grundnahrungsmittel selbst versorgen zu können. Aber auch Milcherzeuger und Rinderhalter profitieren von der staatlichen Förderung.

Im Veredelungssektor ist Japan ebenfalls auf Importe angewiesen. Schweinefleisch kommt aus den USA, Kanada und Dänemark, Geflügelfleisch aus Brasilien, China und Thailand. Rindfleisch wird vornehmlich aus Australien, den USA und Neuseeland geliefert. International besonders beachtet wird Fleisch vom Kobe-Rind, das sich durch eine besonders mürbe Struktur und exzellente Marmorierung auszeichnet. Aufzucht und Haltung sind äußerst aufwendig: Sie werden gehegt, gepflegt, gebürstet, mit verschiedensten Ingredienzien eingerieben und mit Musik berieselt. Daher ist Kobe-Rindfleisch mit 400 bis 600 €/kg das teuerste Rindfleisch der Welt und in der westlichen Hemisphäre en vogue. Die Milcherzeugung geht jedoch aufgrund sinkender Tierzahlen zurück. AW


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