Fipronil

Zwischenstand beim Eier-Skandal

Die in Krisen häufig anzutreffende Salami-Taktik kommt auch beim Thema Fipronil zur Anwendung. Am gestrigen Dienstag stellte sich heraus, dass die Zahl der belasteten Eier, die Deutschland erreicht haben, deutlich höher ist, als bisher bekannt. Allein nach Niedersachsen sollen mehr als 28 Mio. Eier gelangt sein. Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hatte in den vergangenen Tagen von rund 10,7 Mio. Eiern gesprochen, die aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert worden und "möglicherweise" mit Fipronil belastet seien.

Erstentdeckung rutscht immer weiter nach hinten

Nicht das Gelbe vom Ei: Die Kommunikation rund um Fipronil
-- , Foto: Uli Carthäuser/Pixelio.de
Nicht das Gelbe vom Ei: Die Kommunikation rund um Fipronil
Auch beim Timing gibt es immer wieder Korrekturen. Mit Fortschreiten des Skandals rückt das Entdeckungsdatum immer weiter in die Vergangenheit. Vom 22. Juli 2017, an dem der Skandal in den Niederlanden seinen Anfang genommen haben soll, spricht mittlerweile niemand mehr. Von Juni 2017 auf Dezember 2016 ist der Feststelltermin gerückt. Auch der Mai 2016 wurde in einigen Medien bereits als das Datum gehandelt, an dem die illegale Anwendung von Fipronil zum ersten Mal bekannt wurde.

Schmidt und Meyer beißen sich fest

Damit einhergehend nehmen die gegenseitigen Schuldzuweisungen ihren Lauf. Vergangene Woche stand Belgiens Krisenmanagement heftig in der Kritik, nachdem sich herausstellte, dass die dortige Lebensmittelsicherheitsbehörde schon Anfang Juni über einen ersten Verdachtsfall informiert war. Andere EU-Staaten wurden erst am 20. Juli in Kenntnis gesetzt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) schickte daraufhin Ei-Kontrolleure nach Belgien und Holland. Sie sollen beim Thema Fipronil nach dem Rechten schauen. Der Bundeslandwirtschaftsminister setzt wenig später seinen niedersächsischen Amtskollegen Christian Meyer (Grüne) massiv unter Druck. Dessen zuständiges Landesamt soll ebenfalls früher als bekannt von Fipronil-Funden gewusst haben. Das sei „infam“ und haltlos erwidert Meyer und wirft dem Bundesminister vor, mit den Unterstellungen nur von eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen. Wahlkampfgetöse? Oder ist doch mehr dran?


Chronologie des Fipronil-Skandals
22. Juli Das Insektizid wird in den Niederlanden auf sieben Höfen entdeckt; der Ausgangspunkt soll bei einem Unternehmen in Belgien liegen
26. Juli Die niederländische Lebensmittelaufsichtsbehörde NVWA sperrt 180 Höfe und informiert die Behörden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen
31. Juli Belastete Eier sind nach Niedersachsen gelangt
2. August In Niedersachsen werden vier Betriebe gesperrt
3. August Zwölf Bundesländer sind vom Eierskandal betroffen
4. August Aldi nimmt Eier vollständig aus dem Verkauf
5. August Belgische Behörden kannten Fipronil-Verdacht schon seit Anfang Juni 2017
7. August Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Betriebe
9. August Weitere Enthüllungen: Niederlande sollen bereits im November 2016 Fipronil in Eiern gemessen haben
11. August Insgesamt 17 Länder in und außerhalb Europas betroffen; EU-Kommission kündigt Treffen auf EU-Ebene für den 26. September an
16. August Neue Dimensionen: Das Ausmaß ist deutlich größer; allein Niedersachsen soll 28 Mio. Fipronil-Eier erhlten haben
In Belgien werden Anfang dieser Woche sieben Legehennenbetriebe gesperrt. Die Entdeckungen gehen also weiter. Kaum Informationen dringen jedoch über die Verursacher des Skandals durch. Allgemeiner Wissensstand ist, dass Fipronil unerlaubterweise zur Reinigung von Ställen eingesetzt wurde. Im Verdacht steht das niederländische Unternehmen ChickFriend. Es wird als Dienstleister mit der Reinigung und Desinfektion von Ställen beauftragt. Landwirte berichten, dass ChickFriend in den vergangenen Jahren stark expandiert sei. Auch habe sich macher gewundert, dass das auf ätherischen Ölen basierende Reinigungsmittel Dega16 so effektiv gegen die lästige Blutmilbe wirkte. 


Ob aber ChickFriend das Firponil selber seinen Hilfsmitteln beimischte oder Zulieferer, ist noch vollkommen unklar. Die Manager jedenfalls befinden sich in Haft. Die 24 und 31 Jahre alten Chefs der Stallreinigungsfirma sollen auch noch zwei weitere Wochen in Untersuchungshaft bleiben. Darüber hinaus steht die belgische Firma Poultry-Vision in Verdacht, aus Rumänien importiertes Fipronil zugemischt zu haben.

Verunsicherung am Markt

Unübersichtlich bleibt hingegen die Lage am Eiermarkt. Er entwickelt sich uneinheitlich. "Es herrscht eine große Verunsicherung", sagte Marktanalystin Margit Beck vom Bonner Branchendienst "Eier und Geflügel" (MEG) im ZDF. Noch könne aber nicht eingeschätzt werden, ob die Nachfrage tatsächlich gesunken ist oder nicht. 


Eine Sache immerhin ist aber klar. Für Verbraucher bestand zu keiner Zeit eine Gefahr. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat zum Wochenende erneut seine Einschätzung wiederholt, dass es keine Überschreitungen der lebenslang duldbaren täglichen Aufnahmemengen gibt. So sei "eine gesundheitliche Gefährdung unwahrscheinlich". Basis der Risikobewertung ist bereits der längerfristige Verzehr von Fipronil-belasteten Lebensmitteln. (kbo)
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