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Landwirt experimentiert mit Bioanbau


Auf Versuchsflächen für das Start-up Lizza sät Dr. Hans Georg Brunn im Frühjahr Goldleinsamen.

Im Sommer blüht Öllein in blauer Pracht.
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Im Sommer blüht Öllein in blauer Pracht.
Auf der Suche nach einem neuen Abnehmer für seinen gelbschaligen Öllein stieß der 43-jährige promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Landwirt Hans Georg Brunn auf das Start-up Lizza. Seit ein paar Jahren baut er Leinsamen im konventionellen Stil auf 40 ha in der Gemeinde Huy in Sachsen-Anhalt an, aus der Ernte fertigt sein bisheriger Industriepartner Farben und Lacke. Für die Gründer von Lizza will er die Leinsaat ökologisch großziehen. Warum soll es ausgerechnet die Firma Lizza sein? „Sie sind nah am Kunden dran. Ich traue den Jungs zu, einen hohen Preis für ihr Produkt durchzusetzen.“
Brunn

„Ich traue den Jungs zu, einen hohen Preis durchzusetzen. “
Bodenbearbeitung und Aussaat sind denen von Raps relativ ähnlich, erklärt Brunn. Kompliziert wird es, wenn die jungen Pflanzen auflaufen. „Sie können das Unkraut überhaupt nicht unterdrücken. Das wird eine besondere Herausforderung im biologischen Anbau.“ Der Öllein wächst sehr langsam bis er die ersten 10 cm erreicht hat. Brunn will künftig hacken, um Ackerstiefmütterchen und Gänsefuß in Schach zu halten. An den Boden hingegen hat der Öllein keine besonderen Ansprüche. Ähnlich dem Raps streckt er seine Wurzeln feingliedrig ins Erdreich.

Ursprünglich entschied sich Brunn für Leinsamen, weil er mehr Kulturarten mit Blattfruchtcharakter und Sommerungen in seine Fruchtfolge integrieren wollte. Leinsamen sät er Ende März nach Weizen, Emmer oder Dinkel, am besten nach einer fünf- bis sechsjährigen Anbaupause. Frost wird bis minus 4° C toleriert. Im Schnitt erntet Brunn zwischen 2 und 2,5 t/ha. Nach seiner Erfahrung muss die Ernte schnell gekühlt werden, um eine hohe Qualität zu erhalten. Anschließend verkauft er die Saat innerhalb von einem Jahr. Langfristig kann er sich vorstellen, seinen Betrieb komplett auf Bio umzustellen. „Wir haben den Kontakt zu den Konsumenten verloren. Vor dem Hintergrund politischer Entscheidungen und Restriktionen im Pflanzenschutz ist meine passende Antwort der Öko-Landbau.“

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