Afrikanische Schweinepest

Schweinefleischexporte unter Druck

Die größten Schweinefleischexporteure der EU dürfen derzeit noch in Drittstaaten liefern. Die EU hilft über das "Prinzip der Regionalisierung". Einige Handelspartner wollen das aber nicht anerkennen.

Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) innerhalb der Europäischen Union zieht Handelsbeschränkungen nach sich. Um den wirtschaftlichen Schaden durch ein Importverbot möglichst gering zu halten, wendet die EU das „international anerkannte wissenschaftlich fundierte veterinärmedizinische Prinzip der Regionalisierung“ an. Nach der gängigen Vorgehensweise benennt die EU gemeinsam mit dem betreffenden Mitgliedstaat sowohl ein seuchenfreies Gebiet, aus dem der Handel sicher durchgeführt werden kann, und ein infiziertes Gebiet, das Handelsbeschränkungen unterliegt.

13 Länder wollen kein Schweinefleisch aus Belgien

Nichtsdestotrotz zeigt der jüngste ASP-Ausbruch bei Wildschweinen in Belgien, dass sich die Seuche in der Praxis negativ auf den Handel auswirkt. Unter den Handelspartnern der EU sind einige, die das Regionalisierungsprinzip nicht anerkennen. 13 Länder haben Schweinefleischimporte aus Belgien ausgesetzt. Dazu gehören einige der wichtigsten Märkte für Schweinefleisch aus der EU: China, Japan, Südkorea, die Philippinen und Australien.


Infolgedessen müssen die belgischen Exporteure für 60 Prozent ihrer Schweinefleischausfuhren neue Bestimmungsorte finden, auf die 3 Prozent der Produktion des Landes entfallen. Die Auswirkungen auf den EU-Handel sind insgesamt noch begrenzt (siehe Grafik), aber die Situation könnte sich ändern, wenn das Virus sich auf andere große Erzeugerländer, darunter Spanien, Deutschland, Dänemark und die Niederlande, ausbreitet, teilt die EU-Kommission mit.

Schweinefleisch-Exporte aus der EU zwischen Januar und Juli 2018.
Quelle: EU-Kommission, Eurostat
Schweinefleisch-Exporte aus der EU zwischen Januar und Juli 2018.


Bisher wurden im Mai 2018 mehrere infizierte Wildschweine in Ungarn gefunden, ein Fall wurde Ende August in einer bulgarischen Hinterhoffarm entdeckt und einige infizierte Wildschweine wurden Mitte September im Süden Belgiens gefunden, erstmalig in Westeuropa. Neue Fälle von infizierten Hausschweinen wurden auch in Lettland, Litauen, Polen und Rumänien festgestellt. In Rumänien wurden in diesem Jahr infolgedessen bereits mehr als 300.000 Schweine geschlachtet, was sich, laut EU-Kommission, auf die rumänische Schweinefleischerzeugung auswirken wird. In Estland, Ungarn, der Tschechischen Republik und Belgien gab es bislang keine Fälle in kommerziellen Betrieben.

Das Virus kann über direkten Kontakt mit Tieren oder durch die Verbreitung von kontaminierten Nahrungsmitteln in Form von Würsten oder ungekochtem Fleisch übertragen werden. Die aktuelle Epidemie begann 2007 in Georgien und erreichte 2012 die Ukraine über Russland. Bis 2014 war sie in den baltischen Staaten und in Polen präsent.

 

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