Agrarimpulse

Ökologie und Ökonomie versöhnen


Auf dem Branchentreff des Genossenschaftsverbands Bayern und der Baywa drehte sich alles um die Ökologische Landwirtschaft. Baywa-Chef Klaus Josef Lutz warnte vor alten Feindbildern.

„Wieviel Bio braucht der Markt?“ – unter diesem Motto stand der vom Genossenschaftsverband Bayern (GVB) und der Baywa AG ausgerichtete Branchentreff „Agrarimpulse“ in Augsburg. Alexander Büchel, Mitglied des GVB-Vorstandes erinnerte die rund 1000 Teilnehmer der Veranstaltung an das Ziel der Bundesregierung, bis 2030 etwa 20 Prozent Ökolandbau zu erreichen. Wenn es nach der Regierung in Bayern geht, soll der Anbau im Freistaat mittelfristig verdoppelt werden. Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ fordert gar, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf ökologischen Landbau umgestellt wird.

Die Bereitschaft der Erzeuger auf Öko umzusteigen sei ungebrochen, versicherte Büchel. Schon heute werden im Freistaat rund 345.000 ha – weit mehr als in jedem anderen Bundesland – ökologisch bewirtschaftet. Der Zuwachs bei der Fläche war 2018 mit 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr so hoch, weil die Zahl der Ackerbaubetriebe erheblich anstieg. Mit dabei waren auch größere Betriebe mit 300 bis 400 Hektar. Dass die Preise dennoch nicht massiv unter Druck gerieten, führt Büchel auf die Trockenheit im vergangenen Jahr zurück. Dem Zuwachs auf der Verbraucherseite konnte  allerdings das Wachstum auf der Erzeugerseite nicht folgen.


Die hohen Importe müssten allerdings differenziert betrachtet werden. Etliche Bioerzeugnisse würden in erster Linie deshalb importiert, weil sie zu niedrigeren Preisen bei uns angeboten werden. Als Beispiel nannte er Biomilch aus Dänemark, die wegen wachsender Eigenerzeugung in einigen EU-Staaten wie etwa Frankreich, nicht mehr so stark gefragt sei. Sie suche sich neue Kanäle und das zu niedrigeren Preisen. Biomilch in Österreich liege preislich weit unter dem bayerischen Niveau und verstärke den Druck zusätzlich.
„Wenn wir den Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft weltweit steht, erfolgreich begegnen wollen, müssen wir den Graben zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft überwinden.“
Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender Baywa AG, 

Die bayerischen Molkereien warnen inzwischen die Landwirte auf Bio umzustellen, weil sie keine zusätzlichen Mengen mehr aufnehmen können. „Zu viel Ware drückt auf den Preis und der Preisdruck hat schon begonnen.“ Der verstärkte Einstieg der Discounter werde zusätzlich die Erlöse schmälern, gibt sich Büchel überzeugt. Ein Werbeslogan wie „Bio zum Aldi-Preis“ wecke bei ihm mehr Besorgnis als Begeisterung. Wenn die Politik ein schnellwachsendes Angebot an Bioware fordert, so sei dies der falsche Ansatz. Bio für möglichst viele Verbraucher zu Niedrigpreisen bezeichnete er als Unfug. Zu fordern sei eine stärkere Nachfrage vom Verbraucher und dessen Bereitschaft, für Bioprodukte vernünftige Preise zu zahlen. Nur dann folgen Erzeugung und Verarbeitung dieser Nachfrage.

Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der Baywa AG sagte: „Wenn wir den Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft weltweit steht, erfolgreich begegnen wollen, müssen wir den Graben zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft überwinden.“ Eine Bewirtschaftung nach guter fachlicher Praxis, das Ergreifen der Chancen, die Digitalisierung bietet, sowie mehr Offenheit gegenüber neuen Züchtungsmethoden seien die Stellschrauben, um den vermeintlichen Gegensatz zwischen Ökologie und Ökonomie zu versöhnen. „Alte Feindbilder helfen uns hingegen nicht weiter,“ so der Baywa-Chef.

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