Agrarmärkte Report

Deutschland hofft auf neuen Schwung im Export


Der hohe Niederschlag in weiten Teilen Deutschlands hat dem Weizen gut getan.
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Der hohe Niederschlag in weiten Teilen Deutschlands hat dem Weizen gut getan.

Der Regen lässt die Herzen für eine große Weizenernte in Europa höher schlagen. In den USA führen die Wassermassen zu Qualitätseinbußen.

Vor drei Wochen hätte kein Marktteilnehmer in Deutschland erwartet, dass sich das Blatt noch einmal wendet. Nach der frühen Trockenheit mit ersten Blattschäden haben sich die Weizenbestände hierzulande nach den Regenfällen in den vergangenen Wochen erholt. Der durchschnittliche Ertrag könnte 7,9 t/ha erreichen, nach den mageren 6,7 t/ha im Dürrejahr 2018. Vor diesem Hintergrund erwartet der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) eine durchschnittliche Ernte in Höhe von 47,2 Mio. t, davon entfällt mit knapp 24,3 Mio. t mehr als die Hälfte auf Weizen, gefolgt von Gerste mit knapp 12 Mio. t. Der Anbau von Winterweizen steigt in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Zur Ernte 2019 ist die Fläche um 5 Prozent auf gut 3 Mio. ha gewachsen, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Zugelegt haben auch Gerste um 12 Prozent auf knapp 1,4 Mio. ha und der Roggenanbau um fast 22 Prozent auf 636 000 ha.

In diesem Jahr war es bis Ende April erneut viel zu trocken. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern sowie Schleswig-Holstein und im nördlichen Niedersachsen hatte es im Winter zu wenig geregnet, die Bodenfeuchte in tieferen Schichten ist nicht wieder aufgefüllt. Schon kamen Befürchtungen auf, die Trockenheit könnte erneut Schaden anrichten. Doch seit Anfang Mai kam mit dem Wetterwechsel kühle und feuchte Luft ins Land, sodass sich die Bestände wieder vom Hitzestress an Ostern erholen konnten.

Im letzten Moment

Pflanzenbauberater sind aber vorsichtig. "Wasser bleibt weiterhin das Betriebsmittel Nummer eins und stellt den ertragsbegrenzenden Faktor dar", lautet ihr Fazit. Auf einzelnen Standorten in Nord- und Ostdeutschland waren bereits vor den Mai-Niederschlägen Trockenschäden zu beobachten. Hier gilt es, das Ertragspotenzial realistisch einzuschätzen. "Der Regen kam gerade noch rechtzeitig, um die Kulturen vor gravierenden Schäden zu bewahren", betont Guido Seedler, GetreidemarktExperte des DRV.

Die Stimmung in der Landwirtschaft ist wenige Wochen vor der Ernte nervös. Grund sind die volatilen Börsen. Nach dem Kursrutsch, der den September-Termin an der Pariser Börse Euronext Mitte Mai auf den Tiefstand von 168 €/t katapultierte, geht es Mitte dieser Woche mit 189 €/t aufwärts. Entsprechend vorsichtig sind sowohl der Handel als auch Landwirte mit dem Abschluss von Kontrakten für die neue Ernte. Die Kaufideen von 160 €/t Weizen ab ostdeutscher Station ex Ernte stoßen jedenfalls auf wenig Interesse. Die aktuell hohen Kurse an der Matif sind auf eine Rally an der Börse in Chicago zurückzuführen. Seit Wochen regnet es in den Hauptanbaugebieten der USA ohne Unterbrechung. Völlig offen ist daher der Ausgang der US-Weizenernte. Die Sorge um die Qualitäten ist groß.

Hoffnung auf neuen Schwung

Ob sich die hohen Kurse Ende Mai bis zur Ernte halten, ist jedoch ungewiss. Dämpfend wirken die Prognosen des US-Landwirtschaftsministeriums USDA zur weltweiten Weizenernte 2019/20 von rund 775 Mio. t . Damit könnten die globalen Endbestände steigen, was den Druck auf die Märkte verstärkt. In Russland etwa herrschen optimale Wachstumsbedingungen. Die Ernteschätzungen reichen von 77 bis 81 Mio. t Weizen. Mit Beginn der Vermarktungssaison 19/20 dürfte Russland die Nase vorn haben und wichtige Märkte wie Ägypten und Südkorea, Vietnam und Saudi-Arabien bedienen.

Neuen Schwung im globalen Geschäft rechnen sich Deutschland, Frankreich, Rumänien und das Baltikum aus. Laut USDA könnte die EU rund 27 Mio. t Weizen im Vermarktungsjahr 2019/20 exportieren. Deutscher Qualitätsweizen mit Rohproteinwerten von bis zu 13 Prozent dürfte frühestens im 1. Halbjahr 2020 in das Geschehen eingreifen. Gegen günstige Angebote aus Russland hatte deutscher Weizen im zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr 2018/19 kaum Chancen, über einen Anteil von rund 6 Prozent am EU-Weizenexport hinauszukommen. Wegen der Missernte 2018 standen zwei Drittel der üblichen Überschussmengen nicht zur Verfügung.

Am Ende dürften 2,7 Mio. t deutsche Weizenausfuhren in Drittländer 2018/19 zusammenkommen. Unersättlich war im Jahresverlauf der Bedarf der Mischfutterwerke im Raum Südoldenburg. Sie zahlen in der Spitze rund 15 €/t mehr für den Weizen als der Hamburger Markt (siehe Grafik). Händler berichten, dass Ware auf dem Weg zu den Seehäfen Hamburg und Rostock regelrecht in die Veredelungsgebiete umgelenkt wurde. Deutsche Exportunternehmen wie Alveo Grain haben wegen des schwachen Exporthandels ihre Büros geschlossen.

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