agrar|marketing|tage: Arla sieht Expansionschancen in Deutschland


Die skandinavische Molkereigenossenschaft will sich hierzulande die Rohstoffbasis für den Export sichern. Davon sollen Erzeuger profitieren.

In Dänemark wird 96 Prozent der anfallenden Milchmenge von der Molkereigenossenschaft Arla Foods amba verarbeitet. In England sei man bereits die Nummer Eins. „Wenn es in Europa noch Expansionsmöglichkeiten gibt, dann am ehesten in Deutschland“, sagte Jörg van Loock, bei Arla Foods in Deutschland zuständig für die Geschäftsentwicklung, heute auf den agrar|marketing|tagen der agrarzeitung in Berlin.

In Deutschland will sich die skandinavische Molkereigenossenschaft die Rohstoffbasis für wachsende Exportmärkte wie China oder Russland sichern. „Um diese Märkte zu bedienen, brauchen wir die Rohmilchbasis in Deutschland“, erläutert van Loock.

Der Standort Deutschland stelle durch seine zersplitterten Strukturen in der Milchwirtschaft zwar eine Herausforderung dar, biete dadurch aber auch Möglichkeiten für Zukäufe und Fusionen. Arla bevorzuge dabei Fusionen, betont van Loock und begründete dies mit der genossenschaftlichen Tradition des Konzerns.

Wachse Arla in Deutschland weiter, würden auch hiesige Erzeuger profitieren: „Wenn wir Mehrwert im Export schaffen, kommt das auch dem deutschen Landwirt zugute“, so van Loock. Arla hat 2011 mit Hansa Milch fusioniert und die süddeutsche Allgäuland-Käsereien GmbH übernommen. Dieses Jahr folgte die Fusion mit der Milchunion Hocheifel (MUH).

Dass im deutschen Markt die Wachstumschancen begrenzt sind, unterstrich Sönke Voss, in der Geschäftsführung der Deutschen Milchkontor GmbH (DMK) zuständig für den Bereich Landwirtschaft, auf den agrar|marketing|tagen. Der Wettbewerbsdruck sei stark, gleichzeitig gehe die Nachfrage zurück, etwa im Bereich Konsummilch. In diesem Segment habe die Nachfrage im Fünfjahreszeitraum 2007 bis 2011 um 5 Prozent abgenommen. Hinzu komme der Preisdruck, den die hoch konzentrierte Einzelhandelsstufe auf die Molkereien ausübe: „Wir sind ein Discountland“, stellt Voss dazu fest.

Die deutsche Milchwirtschaft sei aktuell im Vergleich zu anderen Eu-Ländern wie Norwegen, Dänemark oder Frankreich „zu wenig strukturiert“, meint der DMK-Geschäftsführer. Durch die „Strukturveränderungen“ der vergangenen Jahre, die unter anderem auch durch die Fusion von Humana und Nordmilch zur DMK im Frühjahr 2011 geprägt waren, will Voss bereits „Verbesserungen“ erkennen. Diese Verbesserungen hätten sich zuletzt bei den Preisverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel gezeigt. (pio)
stats