agrar|marketing|tage: Lindemann will weg vom Schmusebild

Das Thema Tierschutz soll im niedersächsischen Landtagswahlkampf nicht instrumentalisiert werden. Das verspricht Landwirtschaftsminister Gert Lindemann.

Die moderne Landwirtschaft wandelt sich stetig: Die technische Entwicklung schreitet voran, das Betriebsgrößenwachstum auch. Das betonte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) heute auf den agrar|marketing|tagen der agrarzeitung in Berlin. Angesichts der Erwartungen an eine steigende Nachfrage nach Fleisch in Deutschland und weltweit könne "eine Extensivierung der Landwirtschaft nicht die Lösung sein."

"Wir werden weiter Intensivtierhaltung haben", stellt Lindemann fest. Gleichwohl sieht er die gesellschaftliche Kritik an der intensiven Tierhaltung nicht nur in einem Kommunikationsproblem der Branche mit der Öffentlichkeit begründet.

Es gebe auch tatsächlichen Handlungsbedarf, betont der Minister: "Wenn sich eine Pute im Endmaststadium wegen Skelettdeformationen nicht mehr auf den Füßen halten kann" sei das nicht nur schwer nach außen vermittelbar; an solchen Zuständen müsse tatsächlich etwas geändert werden. Darauf reagiere Niedersachsen mit dem Tierschutzplan.

Bestandsgröße allein sei kein Parameter, an dem Tierwohl zu messen sei: Man könne 50 Puten halten und diese quälen, und man könne 20.000 Puten artgerecht halten.

Lindemann betonte während der Diskussion auf den agrar|marketing|tagen, dass der gesellschaftliche Druck auf die Tierhalter seit seiner Amtsübernahme vor zwei Jahren bis heute nicht gewachsen sei. Er werde dafür sorgen, dass Wahlkämpfer bis zu den Landtagswahlen am 20. Januar keine Gelegenheit bekommen, das Thema zu instrumentalisieren.

Die Landwirtschaft habe einen Anspruch auf ein realistisches Bild in der Gesellschaft, ergänzte der Minister. Die Bäuerin auf der Wiese mit ihren fünf Kühen und andere "Schmusebilder" würden der Realität nicht gerecht. (pio)
stats